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Ein Meisterwerk zeigt Rückgrat

Rosso Fiorentinos „Sterbende Kleopatra“ erhält neues Stützkorsett – Leihgabe nach Florenz.

Braunschweig (j). Rosso Fiorentinos „Sterbende Kleopatra“ soll ab März 2014 als eines der Ausstellungs-Highlights im Palazzo Strozzi in Florenz präsentiert werden. Bevor sich das Gemälde als Leihgabe auf den Weg nach Italien machen kann, waren wichtige Konservierungsmaßnahmen notwendig.

„Die Sterbende Kleopatra“ (um 1530) ist nicht nur ein herausragendes Gemälde des Herzog-Anton-Ulrich-Museums, sondern zugleich eines der wenigen erhaltenen Tafelgemälde des berühmten Vertreters des Manierismus. Braunschweig ist neben Berlin und Frankfurt eine der wenigen Städte in Deutschland, die im Besitz eines Werkes des florentinischen Künstlers ist.
In den letzten Jahren zeichnete sich jedoch eine Gefährdung des guten Erhaltungszustandes des Bildes ab: Verantwortlich dafür ist eine im späten 19. Jahrhundert verbreitete Konservierungsmaßnahme. Die eigentlich zum Schutz der Kunstwerke angewandte Methode hat sich inzwischen als hoch problematisch erwiesen. Das starre Holzkorsett, die sogenannte „Parkettierung“, ist ein Lattengerüst, das auf die Rückseite der gedünnten Holztafel geleimt wurde. Die Tafel arbeitet gegen das einengende Gerüst an, was zur Folge hat, dass Risse den Bildträger gefährden können. Dieses Problem betrifft viele Holztafeln in Museen weltweit, jedoch wagt sich bis jetzt kaum ein Restaurator an die Entfernung des Stützparketts.
Dem Herzog-Anton-Ulrich-Museum bot sich nun die einmalige Gelegenheit, den italienischen Restaurator Ciro Castelli mit der „Befreiung“ des Rosso Fiorentinos zu beauftragen.
Castelli gilt als absoluter Spezialist für diese Fälle. Er arbeitete bis vor Kurzem als Restaurator der berühmten Florentiner Restaurierungswerkstätten „Opificio delle Pietre Dure“, die unter anderem Kunstwerke der Uffizien oder aus dem Palazzo Strozzi restaurieren. Die Referenzliste seiner bisherigen Restaurierungsarbeiten liest sich wie das Inventar eines renommierten Museums. Castellis Arbeitsweise wurde in Deutschland bisher kaum angewendet. Das von ihm entwickelte Verfahren zur Herstellung eines neuen Stützrahmens, der anstelle der schädlichen Parkettierung montiert wird, ermöglicht den wertvollen Gemälden einen flexiblen Rückhalt.
Nachdem das Parkett komplett abgetragen war, wurde der neue biegsame Stützrahmen mittels eines von Castelli erfundenen Systems mit gefederten und um die eigene Achse beweglichen Schrauben auf der Rückseite des Gemäldes montiert. Innovativ ist die Anpassungsfähigkeit der neuen Rückseite. Sie erlaubt dem Holz zu arbeiten, sich entsprechend seiner Struktur immer wieder leicht zu biegen und zu verformen. Das neue Rückgrat kann sich nun individuell anpassen und stützt die jahrhundertalte Pappelholztafel trotzdem gleichermaßen. Die geplante Ausleihe für die Ausstellung „Pontormo e Rosso. Le divergenti vie della maniera“ im Palazzo Strozzi bot den Anlass für die Konservierungsmaßnahme, ohne sie hätte das Bild nicht nach Italien reisen können – die Gefahr von Spannungsrissen wäre zu groß gewesen.
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