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Ein Geist für mehrere Leben

Armin Müller-Stahl eröffnete seine Ausstellung „Menschenbilder“ – und faszinierte.

Von Martina Jurk, 27.11.11

Braunschweig. Sie hängen an seinen stahlblauen Augen und an seinen Lippen – die Menschen, die Armin Müller-Stahl sehen, ihm zuhören. So ist es auch bei der Eröffnung seiner Ausstellung „Menschenbilder“.

Alles was er sagt, könnten Textpassagen aus Filmen sein. Der Schauspieler – gefeierter Charakterdarsteller einst in der DDR und heute in Hollywood (unter anderem „Das Geisterhaus“, „Buddenbrooks“, „Illuminati“) – kommt als Maler nach Braunschweig. 26 Gemälde und Zeichnungen stellt der Künstler aus. Die Galerie Thomas Kaphammel hat die Ausstellung organisiert. Hunderte Besucher drängen sich am Eingang der Braunschweigischen Landessparkasse, stehen Schlange an der Dankwardstraße. Sie wollen seine Bilder sehen, aber vor allem ihn – Armin Müller-Stahl.
Mitgebracht hat der 80-Jährige einen Freund, der nicht minder durch seine Aura beeindruckt: Björn Engholm, ehemaliger Ministerpräsident Schleswig-Holsteins und SPD-Bundesvorsitzender, der 1993 über die Barschel-Affäre gestolpert war. „Keiner kennt meine Bilder so gut wie er“, schmeichelt der Maler Müller-Stahl. Er und Engholm, der sich seit 50 Jahren mit Kunst beschäftigt, lernten sich vor 25 Jahren in einer Trattoria an der Ostsee kennen. „Müller-Stahls Kunst ist authentisch, humanistisch, auch autobiografisch und sehr berührend“, sagt der Freund.
Der Künstler zeigt und erklärt seine Bilder. Er wirkt zurückgenommen, lässt Engholm den Vortritt – scheinbar. Schauspieler und Politiker eint wohl vieles.
Lithografien zum Thema Urfaust. „Den sollte ich mal spielen vor gut 60 Jahren bei Brecht am Theater. Habe ich aber nicht, und so hat sich das alles in meinem Kopf abgespielt und wurde zur Zeichnung.“ Viele Filme habe er so umgesetzt, Dinge verarbeitet, die ihn bewegten, sagt Müller-Stahl. Aber auch Rollen, die er nicht gespielt hat, wie Richard III. und Hamlet.
Als ob die Schauspielerei nicht für ein Leben reichen würde, ist er ebenso brillant als Musiker, Schriftsteller und eben als Maler. „Ich bin kreativ. Ich denke oft darüber nach, welchen Sinn es macht, auf diesem Planeten zu sein. Es macht mich frei“, erklärt er. „Alle Kunst will Musik werden. Musik ist am flüchtigsten, berührt aber am meisten.“ Müller-Stahl studierte Violine und Musikwissenschaft in Berlin, spielt Geige.
Viele seiner Bilder wirken düster, haben den Abschied zum Thema. „Das hat auch etwas mit meinem Alter zu tun“, meint Müller-Stahl. In seinem Alter müsse er sich jeden Tag von jemandem verabschieden. „Die Zeit ist aus meinem Körper, wenn ich male“, gesteht der Künstler.
Auch macht er keinen Hehl daraus, dass sich das Klima in Los Angeles, wo er mit seiner Familie die Hälfte des Jahres verbringt, positiv auf Seele und Körper auswirkt. Seine Frau, mit der er seit 38 Jahren verheiratet ist, ist Ärztin. „Sie kümmert sich darum, dass ich gesund lebe“, sagt Müller-Stahl, als ob es ihm fast peinlich wäre.
Die Ausstellung ist bis 30. Dezember zu sehen in der Landessparkasse, Dankwardstraße (Originale und Grafikzyklus „Der Urfaust“), sowie in der Galerie Thomas Kaphammel, Ziegenmarkt 4 (Malerei/Grafisches Werk).
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