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Ein Film, der schrecklich wehtut

Filmausschnitt: Tina ist verzweifelt. Foto: oh
 
Produzent David Lindner Leporda. Foto: Ammerpohl
Braunschweig: Universum Filmtheater |

Preisgekrönter Dokfilm „Nirgendland“ von David Lindner Leporda am 18. Mai im Universum.

Von Martina Jurk, 13.05.2015.

Braunschweig. „Wenn er mit mir alleine war, dann war es so, als ob ich erstarren würde. Auf der Stelle. Ich war wie tot, wenn ich dann nach Hause gekommen bin, zur Mama. Ich habe mich so geschämt, so gehasst. Und ich wollte gut sein. Ich hab mein Zimmer immer aufgeräumt, versucht gut in der Schule zu sein. Eine Zeit lang dachte ich, wenn ich ein gutes Kind bin, dann hört er auf.“ Die junge Frau, Sabine, Mitte 20, die das erzählt, hat sich umgebracht. Damit beginnt der Dokumentarfilm „Nirgendland“, der am 18. Mai um 19 Uhr im Rahmen der Doku-Reihe des Universums gezeigt wird. Es geht um sexuellen Missbrauch von Kindern in der Familie.

„Kein leichter Film, aber ein wichtiger“, sagt David Lindner Leporda, der junge Produzent des Films. Der heute 35-jährige gebürtige Berliner hat fast zehn Jahre lang in Braunschweig gelebt und an der Christophorusschule sein Abitur gemacht. Filmproduzent zu werden, war schon damals sein Wunsch. „Es waren die Jahre, in denen man sich öffnet. Meine damalige beste Freundin vertraute mir an, was so unfassbar, aber doch Realität hinter vielen Häuserfassaden zu sein schien. Jedes zehnte Kind wird in der eigenen Familie sexuell missbraucht.“ Lindner hat in München studiert, wo er auch heute lebt. Er spricht ruhig über seinen Film. Innerlich scheint er aber zu zerspringen.
„Einen solchen Film zu machen, das tut man sich nicht so gern an“, gesteht Lindner. Die Resonanz auf „Nirgendland“ bestätigt ihn, den Mut aufgebracht zu haben, ihn doch zu machen. „Die Leute, die den Film gesehen haben, sind tief ergriffen. Nach dem Abspann geht niemand nach Hause. Alle haben das Bedürfnis, mit anderen zu reden.“ Das Filmteam ist in den Städten, wo er gezeigt wird, vor Ort, will Ansprechpartner sein. So stellt David Lindner Leporda auch am 18. Mai den Film in Braunschweig persönlich vor. Für ihn liegt die Stärke des Films in der Emotionalität. „Es ist keine Reportage, keine Beschreibung. Die Zuschauer sollen das fühlen können, was die Betroffenen fühlen, sollen paradoxe Gefühle und Gedanken der Protagonisten nachvollziehen können.“ Die Protagonisten sind Tina und ihre Tochter Sabine, die beide von Tinas Vater missbraucht werden. Sie beschließen, an die Öffentlichkeit zu gehen, das Schweigen zu brechen und den Täter anzuklagen. Es wird im Film aus Gerichtsprotokollen vorgelesen. Mutter und Tochter erzählen darin, welches Martyrium sie durchlebten. Am Ende wird der Täter freigesprochen, denn wirkliche Beweise gibt es für die Taten nicht. Sabine ist sogar froh darüber. „Das ist das Paradoxe: Ein Täter, der aber auch ihr Großvater, der ihre Familie ist“, beschreibt Lindner das, was in den Opfern vorgeht.
Der Produzent erhofft sich mit dem Film ein breites Bewusstsein, das zu erkennen und nicht stumm zu bleiben. „Die Gesellschaft muss sich ändern und akzeptieren, dass es diese Realität gibt.“
David Lindner Leporda hat mit „Nirgendland“ bereits Preise gewonnen, unter anderem den Nachwuchspreis des Amsterdamer Dokfilmfests.
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