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Ein Festival der Missverständnisse

George (Max Schautzer, l.) denkt, dass er unheilbar krank ist, und möchte für seine Frau Judy (Christiane Rücker) vorsorglich schon mal einen Nachfolge-Ehemann suchen. Der plötzlich auftauchende Bert (Werner Opitz) kommt gleich in die engste Wahl. Foto: imagemoove/oh

Die Inszenierung von „Schick mir keine Blumen“ überzeugt in der Komödie am Altstadtmarkt mit schönem Dialogwitz.

Von André Pause, 30.03.2016.

Braunschweig. George Kimball ist ein wahrer Meister der Hypochondrie: zwickt und zieht es ausnahmsweise mal nicht am eigenen Körper, hilft immer noch der Blick in die Tageszeitung: „Sechs Seiten Todesanzeigen und nur vier Geburten. Wir sterben aus“, lautet die fatalistische Medienanalyse am Frühstückstisch.

Die Geschichte des eingebildeten Kranken ist ein Klassiker. Bereits 1964 wurde „Schick mir keine Blumen“ mit Doris Day und Rock Hudson in den Hauptrollen verfilmt, nun hat Theaterchef Florian Battermann den Stoff von Norman Barasch und Carroll Moore mit all seinem Dialogwitz und einigen sarkastischen Spitzen für die Komödie am Altstadtmarkt inszeniert.

Ableben vor Augen

Ein Missverständnis evoziert in diesem Plot das nächste. Wobei alles Unheil damit beginnt, dass George zufällig ein Gespräch seines Arztes mithört. Die in den Hörer gesprochenen Hiobsbotschaften bezieht der im Grunde kerngesunde Patient prompt auf sich. Sein Ableben schon vor Augen, beginnt er in der Folge damit, seiner Frau einen neuen Mann und Zwangsernährer zu suchen. Da trifft es sich gut, dass mit Bert plötzlich ein alter Verehrer auf der Matte steht. Judy, die ihren Gatten als durchaus auch der Eifersucht zugeneigten Menschen kennengelernt hat, wundert sich freilich zusehends über dessen Verständnis, wenn sie mit Bert mal wieder um die Häuser zieht. Für sie ist spätestens nach einem Gespräch mit Dr. Morrissey sonnenklar: George möchte auf diese Weise sicher nur von eigenen Seitensprüngen ablenken.
Erst als George den kruden Rat seines Nachbarn Arnold annimmt, und in vorauseilendem Gehorsam das Fremdgehen auffällig demütig beichtet, obwohl es gar nichts zu beichten gibt, und dann auch noch ein Bestatter mit einer Quittung für eine gekaufte Grabstelle auftaucht, beginnt Judy an ihrer Theorie zu zweifeln.

Das Ensemble auf der Bühne in der Komödie hat sichtlich Spaß mit diesem Stück. Max Schautzer schlingert so leidend durch das Wohnzimmer, dass es eine Wonne ist. Christiane Rücker gibt gekonnt die einfach Gestrickte ihrer Zeit, für die Casablanca und Casanova doch irgendwie das Gleiche sind. Und Werner Opitz spielt den Bert als alternden Sonnyboy mit Spiegelbrille und Lederhaut sehr überzeugend. Komplettiert wird die harmonische Riege durch die Komödien-Stammgäste Andreas Werth als Dr. Morrissey und Botond von Gaal als Bestatter Akins sowie Michael Kehr als dauertrunkener Nachbar Arnold.

Kleine Wahrheiten

Auch wenn „Schick mir keine Blumen“ überkommene Geschlechterrollen und Klischees – Macher gleich Mann, Dummchen gleich Hausfrau – mitunter etwas zu stark strapaziert, unterhaltsam ist das Stück mit seinen kleinen Wahrheiten allemal. Bis zum 23. April ist die Produktion in der Komödie am Altstadtmarkt zu sehen. Mehr im Internet unter: www.komoedie-am-altstadtmarkt.de.
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