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Ein besonderes Politikevent

CSD-Demonstrationszug zieht durch die Innenstadt – Kundgebung auf dem Burgplatz.

Von Martina Jurk, 21.07.10

Braunschweig. Sie nennen sie Kundgebung und Demonstration – die Veranstaltungen des Sommerlochfestivals. Für Organisatoren und Teilnehmer ist die Forderung nach mehr Toleranz in der Gesellschaft politisch geprägt.

Was vor 15 Jahren mit einem eintägigen Straßenfest begann, ist heute „das größte Politikevent lesbischer, schwuler, bisexueller und transgender Menschen zwischen Hamburg, Berlin und Köln, das ein zweiwöchiges Rahmenprogramm aus vielfältigen politischen, informativen und kulturellen Veranstaltungen in und um Braunschweig, eine Demonstration (CSD Parade) durch die Braunschweiger Innenstadt und die zweitägige Kundgebung im Herzen der Stadt sowie eine offizielle Sommerlochfestival-Abschluss-Party umfasst“, verkündet das Organisationsteam des Sommerlochfestivals und der Christopher-Street-Day-Parade (CSD) stolz.
Das „besondere Politikevent mit kultureller Note“ wird von dem ehrenamtlichen Team vorbereitet und organisiert. Es setzt sich in jedem Jahr neu zusammen. „Veranstalter ist der Verein für sexuelle Emanzipation (VSE). Gerade bei einem solchen Festival ist er auf ehrenamtliche Hilfe angewiesen“, sagt Nadine Haufe. Die Pressesprecherin des Festivals rechnet am Wochenende mit 100 Helfern vor Ort.
Der VSE sieht sich als Dachverband, als Plattform, unterschiedliche Lebensweisen darzustellen. Dabei ist das Sommerlochfestival eine von vielen Veranstaltungen, bei denen die Ziele in der Öffentlichkeit transparent gemacht werden sollen – die Integration Anderslebender zu stärken, gegen Diskriminierung und für die gesellschaftliche und politische Gleichstellung sowie Akzeptanz vielfältiger Lebensweisen zu demonstrieren.
In jedem Jahr sammelt das Sommerlochteam Ideen für ein Motto des Festivals. Die diesjährige Veranstaltung steht unter der Überschrift „Demonstrativ für ein prima Klima“. „In Braunschweig wünschen wir uns vor allem ein gutes Klima mit der Stadt, denn hier ist es schwierig, über die CSD-Parade zu verhandeln. Das ist eine Braunschweiger Besonderheit. In anderen Städten ist das ganz anders, da gibt es sogar eigene Referate dafür in den Verwaltungen“, meint Haufe. Ein gutes Klima bundesweit hieße, noch mehr für die Gleichstellung Anderslebender in Bezug auf familienrechtliche Fragen zu erreichen. Und weltpolitisch für ein prima Klima zu kämpfen, sei ebenso wichtig, weil immer noch Menschen wegen ihrer Sexualität verfolgt und zum Tode verurteilt würden.
Das kleine Jubiläum gibt Verein und Organisationsteam Gelegenheit, ein Resümee zu ziehen, ob das Festival bei den Menschen etwas bewegt, etwas verändert hat. „Anfangs wurden wir auf den Eiermarkt verbannt, inzwischen ist das Festival regional sehr bekannt. Wir gewinnen Künstler, die unser Anliegen unterstützen. Menschen aller Altersklassen, verschiedener Nationalitäten und unterschiedlicher Lebensweisen kommen, sehen zu und stellen fest, dass eine tolle Stimmung herrscht. Wir erhalten viel Zuspruch aus der Bevölkerung“, sagt Nadine Haufe.
Vor allem die Verlagerung der CSD-Parade auf den Burgplatz im Jahr 2003 sei eine qualitative Aufwertung für das Festival gewesen. Rund 2000 Aktive hätten in den vergangenen Jahren jeweils an der Parade teilgenommen. „Sie ist bunter und schriller geworden“, so die Festival-Sprecherin. Und auch die Zuschauerzahl sei gestiegen, von 12 500 im Jahr 2005 auf 20 000 im vorigen Jahr. Der Braunschweiger Demonstrationszug (erstmals 1999) sei eine Erfolgsgeschichte. „Nur von der Stadt erwarten wir mehr Toleranz“, betont Nadine Haufe abermals.

Programm
Freitag (23. Juli), 18 Uhr: Auftaktkundgebung auf dem Burgplatz, Beginn des Bühnenprogramms: 19 Uhr
Sonnabend (24. Juli), 13 Uhr: CSD-Parade vom Kleinen Haus über Georg-Eckert-Straße, Dankwardstraße, Waisenhausdamm, Kohlmarkt, Neue Straße, Küchenstraße, Hagenmarkt, Rathaus, Dom bis zum Burgplatz
14 Uhr: Abschlusskundgebung auf dem Burgplatz mit der Gedenkminute für die an HIV und Aids Verstorbenen
15 Uhr: Beginn des Bühnenprogramms unter anderen mit Tatjana Taft, Daphne de Luxe und den Jacob Sisters
22 Uhr: Pride Night in der Meier Music Hall
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