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Ein Abend in der Klischeefalle

Es ist doch zum Schreien: Das Reihenhaus von Veronika (Tanja Schumann, l.) und ihrem Gatten Ulli (Werner H. Schuster, r.) ist immer voll bis unters Dach. Foto: imagemoove

Die Premiere von „Hotel Mama“ in der Komödie am Altstadtmarkt geriet reichlich zäh.

Von André Pause, 06.02.2016.

Braunschweig. „Hotel Mama“ ist eine Komödie von Jan-Ferdinand Haas, und sie hat ein Problem: Die zugrundeliegende Geschichte ist nicht so recht abendfüllend. Sichtbar wurde dies bei der Premiere des Stückes in der Komödie am Altstadtmarkt.

Veronika und Ulli Backhaus (Tanja Schumann und Werner H. Schuster) wohnen mit ihren erwachsenen Kindern Jenny und Oliver (Joanna und Dustin Semmelrogge) unter einem Reihenhausdach. Die Sorge der Eltern: Ihre Brut will einfach nicht flügge werden. Und während die junge Generation sich noch mit Händen und Füßen dagegen wehrt, endlich auszuziehen, suchen Ullis Mutter Gertrud (Renate Koehler) und Veronikas Vater Hans (Gernot Endemann) – einsam, wie sie sind – nicht minder vehement den Familienanschluss. Dass eine volle Hütte den Hausherren daran hindert, seine ambitionierten Modelleisenbahnpläne – einen Nachbau der Dolomiten mit Drehscheibe im Maßstab 1:87 – wahr werden zu lassen, ist da noch der kleinste Wermutstropfen.

Zwei Stunden rotieren Familie und Plot, drehen sich wie Brathähnchen im Kreis. Allerweltsdialoge, Zweideutiges und Allgemeinplätze dienen als Kitt der Produktion. Dass in der Komödie die Klischees mitunter arg strapaziert werden, wissen wir. Dieses Stück jedoch impliziert eine wahre Klischeeschlacht. Wer die gewinnen muss, damit im Zuschauerraum vor lauter Ereignislosigkeit keiner einschläft, ist doch klar: die yogapraktizierende, motorradfahrende, kurz: nervtötend aktive Generation „graues Gold“.
Die sinnkriselnden „Best Ager“ („sind wir spießig?“) und die Kohorte „Gen Y“, die selbstverständlich schon im „1000. Semester“ studiert und zu faul ist, selbst die Hosen zu waschen, werden dagegen gerne als subaltern eingestuft. Das gefällt der umschmeichelten, im Zuschauerraum stark vertretenden Altersgruppe, das junge Paar in des Schreiberlings Sitzreihe hat von derlei Plattitüden freilich schon in der Pause genug und flüchtet.

Dem harmonisch wie routiniert agierenden Ensemble kann kein Vorwurf gemacht werden, es muss sich an der Kalauerkette durch den biederen Abend hangeln. Die Schauspieler treffen den Ton, allen voran die tolle Renate Koehler. Bleibt die Frage, ob man dieses Stück inszenieren muss. So mancher wird entschieden sagen: nein. Die Fraktion „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“ indes mag das alles ganz amüsant finden. Der Premierenapplaus fällt durchaus kräftig aus.

Am heutigen Samstag finden gleich zwei Vorstellungen statt, um 17 und 20 Uhr. Weitere Informationen im Internet unter www.komoedie-am-altstadtmarkt.de.
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