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Durch Ricardas Märchenstadt

Die Liebe zur Literatur verbindet die ungleichen Freundinnen Ricarda Huch (r. Yvonne Kamermann) und Anne Klie (Kathrin Nagel). Eine literarisch-musikalische Collage verbindet ihre Erinnerungen mit realen Orten. Foto: Marion Korth

Literarisch-musikalische Ortsinszenierung zu Ricarda Huchs 150. Geburtstag.

Von Marion Korth, 13.07.2014.

Braunschweig. Ein wirklicher Ort, aber einer, der ein bisschen aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Romantik umweht die Rosentalbrücke am Inselwall. Hier will Tilman Thiemig seinen literarisch-musikalischen Spaziergang beginnen lassen. Ein Sommerabend der Erinnerung zum 150. Geburtstag von Ricarda Huch.

Das Spiel mit Ort und Zeit reizt ihn. „Späte Mädchen“ hat er die Inszenierung genannt, geistergleich werden Ricarda Huch (Yvonne Kamermann) und ihre enge Freundin Anna Klie (Kathrin Nagel) erweckt, um im Hier und Heute Gestalt anzunehmen. Am Geburtstagsabend Ricardas kommt es zu einer fiktiven Begegnung der beiden Freundinnen. Doch zunächst verfehlen sie sich, lassen in Versen, Fragmenten, Briefzeilen und Tagebuchaufzeichnungen eine ferne Zeit aufleben, verlieren sich in Erinnerungen. Durchbrochen ist der Rückblick von eher modernen, jazzigen Klängen, die die Brücke in die Gegenwart schlagen. Ihr Spaziergang führt sie an Orte, die sie zu Lebzeiten tatsächlich besucht haben. Anna Klie (1858 – 1913) wohnte „gleich um die Ecke“, in der Eulenstraße und Ricarda Huch (1864 – 1947) auf Löbbeckes Insel – alles Stationen auf ihrem Streifzug. Die Freundschaft der beiden Frauen überwand gesellschaftliche Grenzen, beide waren in der Welt des Wortes zu Hause: die aus großbürgerlichen Verhältnissen stammende Ricarda Huch und Anna Klie, die Tochter eines Kaufmanns. Beide waren sie zu ihrer Zeit erfolgreiche Schriftstellerinnen, auch wenn Anna Klies Werk völlig in der Vergessenheit versunken ist.
Ein „Spätes Mädchen“ im sprichwörtlichen Sinn war Ricarda Huch nicht, sondern eher ihrer Zeit voraus. „Ein wilder Feger“, sagt Tilman Thiemig über die Schriftstellerin, Historikerin und Philosophin. Sie sei erst 15 gewesen, als sie mit ihrem 18 Jahre älteren Cousin, dem Mann ihrer älteren Schwester, anbändelte. Auch sonst brach sie Tabus. In Deutschland durften Frauen damals nicht studieren, weshalb Ricarda Huch in die Schweiz ging, um dort ein Studium aufzunehmen. „Buddenbrooks mit einem Hang zur Dekadenz“, beschreibt Thiemig die Lebenswirklichkeit der Ricarda Huch. Gegenüber den Nationalsozialisten bewies sie Mut und Haltung. Zwar habe sie sich durchaus zu einem gewissen Nationalismus bekannt, erzählt Thiemig, habe jedoch keinen Zweifel daran gelassen, dass sie die Nazis und ihre Machenschaften ablehnt.
„Späte Mädchen“ legt den Fokus auf ihre Braunschweiger Zeit. Tilman Thiemig setzt auf den Zauber der Sommernacht, auf romantische Lyrik, auf die dahinfließende Oker. „Die Menschen sollen sich fühlen wie in einem Film.“ Wie schrieb Ricarda Huch doch so schön: „Um Kinder herum ist Paradies und Märchen und darum war mir Braunschweig, wo ich geboren und aufgewachsen bin, eine Märchenstadt.“
Unterstützung hat der Dramaturg und Ideengeber erneut von Roswitha und Torsten Hinrichs und ihrer Stiftung Braunschweiger Land erhalten. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen. Nieselregen geht, Gewitterguss nicht. • Hier die Termine für die romantische Ortsinszenierung rund um Löbbeckes Insel: Freitag (18. Juli), Sonnabend (19. Juli), Freitag (25. Juli) sowie Sonnabend (26. Juli) jeweils ab 20 Uhr. Treffpunkt ist an der Rosentalbrücke. Karten können per E-Mail an
tilman-thiemig@web.de oder unter Telefon 48 27 34 32 vorbestellt werden und kosten zwölf Euro,
ermäßigt neun.
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