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Digitaler Flirt der Extraklasse

„Gut gegen Nordwind“: Alexandra Kamp als Emmi Rothner und Ronald Spiess als Leo Leike überzeugen in der Komödie am Altstadtmarkt. Am Donnerstag (30. Oktober) gibt es die Vorstellung exklusiv nur für Frauen. (Foto: Imagemoove)

„Gut gegen Nordwind“ – Ein großes Vergnügen – Ab sofort in der Komödie am Altstadtmarkt

Von Ingeborg Obi-Preuß. 25. Oktober 2014.
Braunschweig

. Ein intelligentes Boulevardstück, eleganter Dialogwitz, kluge Personenführung: „Gut gegen Nordwind“ – in der Komödie am Altstadtmarkt.

Am Anfang steht ein hartnäckiger Tippfehler. Emmi möchte per E-Mail ein Stadtmagazin kündigen – und schreibt versehentlich an Leo. Es entspinnt sich ein digitaler Flirt der Extraklasse, der aber nicht harmlos bleibt, die Gefühle werden stark, Emmi und Leo lieben und leiden – auf Distanz.
Der Wiener Autor Daniel Glattauer hat mit seinem 2006 erschienen E-Mail-Roman „Gut gegen Nordwind“ nicht nur einen Bestseller gelandet, sondern offensichtlich auch eine ideale Vorlage für die Bühne geliefert. Regisseur Dominik Paetzold nimmt das Stück und seine Figuren ernst, schafft es überzeugend, den Witz des Stückes mit der tragisch-komischen Wendung zu verbinden. Drohende Abstürze in den Kitsch fängt er geschickt ab.
Alexandra Kamp ist eine Emmi Rothner, wie sie im sprichwörtlichen Buche steht: ein wenig vorlaut und neurotisch, dabei sooo romantisch, in ihrer Mimik und im Habitus ganz bezaubernd und entzückend. Sie kann unglaublich gut verdutzt gucken. Optisch ist die Frau eine wahre Augenweide, in Jeans oder Blümchenkleid, und vor allem, wenn sie sich in roter Unterwäsche auf dem Bett räkelt.
Ronald Spiess überzeugt als Leo Leike. Ganz besonders dann, wenn die Sache ernst wird. Die E-Mail des Ehemanns seiner virtuellen Freundin, die traumatische Familiengeschichte, die dort erzählt wird, und Leos Art, die „Sache“ zu beenden, bringt Spiess sehr überzeugend auf die Bühne – das ist Schauspielkunst.
Die beiden spielen auf einem aufgeklappten Laptop als Bühnenbild, Regisseur Paetzold lässt nach jeder E-Mail das Licht kurz abdunkeln, Popmusik erfüllt den Saal – so bekommt das Publikum ein Gefühl für den Rhythmus der digitalen Unterhaltung, die sich über Monate hinzieht. Leo und Emmi agieren dicht nebeneinander, ohne sich direkt zu begegnen.
Literarisch gehobenes, intelligentes Theater, das ganz viel Spaß macht.
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