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Die zwei Formen des Fremdgehens

Hat Claude (Ronald Spies, l.) seinem Freund Maxime (Dietmar Horcicka) die Hörner aufgesetzt und ein Verhältnis mit dessen Frau Jeanne (Alexandra Kamp) gepflegt? Foto: Peter Steffens

Überaus sehenswerte Premiere von „Illusionen einer Ehe“ in der Komödie am Altstadtmarkt.

Von André Pause, 18.03.2017.

Braunschweig. Preisfrage: Ist es moralisch vertretbarer, sich beim Fremdgehen mit womöglich liebevollem Gefühl im Kreuz auf eine Person zu konzentrieren oder wiegt die schiere Anzahl der Seitensprünge am Ende doch schwerer? Kann es hier überhaupt die eine Antwort geben?

Im Falle von Eric Assous preisgekrönter Komödie „Illusionen einer Ehe“, die jetzt – von Christian H. Voss angenehm dialogbewusst und vor allem mit viel Präzision inszeniert – in der Komödie am Altstadtmarkt Premiere feierte, sieht die Sache so aus: Zwölf flüchtige Bettgeschichten von ihm, die er selbst natürlich kaum erwähnenswert findet, die sie, wie sich später herausstellt, jedoch gehörig verletzt haben, stehen einem neunmonatigen Verhältnis von ihr entgegen, was wiederum ihn in schiere Raserei versetzt. Quantität versus Qualität.

Das Beichten der Seitensprünge des nicht mehr ganz frisch vermählten im Großen und Ganzen jedoch noch ganz glücklichen Paares Jeanne und Maxime liefert die Grundlage zu einer vermeintlichen ménage à trois über Liebe, Lügen und Eifersucht, die dem Publikum im Theaterhaus an der Gördelinger Straße einen Abend mit einer für Boulevardverhältnisse geradezu amtlich anmutenden philosophischen Fallhöhe beschert.

Es macht Spaß dem Paar Jeanne und Maxime sowie dem angenommenen Nebenbuhler Claude beim Lavieren oder Feilschen um die ihrer Ansicht nach jeweils einzig wahre Position auf die Sicht der Beziehungs- und Seitensprungsfragen zuzusehen, respektive zuzuhören. Mit Alexandra Kamp, Dietmar Horcicka und Ronald Spiess konnte außerdem ein Ensemble gewonnen werden, welches bestens aufeinander eingespielt den heutigen Charakter des Stückes überzeugend mitträgt.

Ach so: ob Jeannes Tennis-Partner Claude, zugleich Maximes bester Freund, nun derjenige ist, der einen Keil ins traute Eheleben getrieben hat? Und ob das eine Rolle spielt? Lassen Sie sich überraschen von einer kurzweiligen Produktion, deren Unterhaltungswert das Premierenpublikum völlig zurecht zu kräftigem Applaus angestiftet hat. Mehr Darsteller-, Regie- und Stoffqualität war in den vergangenen Jahren selten in der Komödie am Altstadtmarkt, gerne mehr davon!
Termine unter www.komoedie-am-altstadtmarkt.de .
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