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Die Sensation der Archäologie gefangen im Nirgendwo

Das Paläon am Fundort der 300 000 Jahre alten Speere von Schöningen wurde eröffnet.

Von Andreas Konrad, 26.06.2013.

Da steht es nun. Direkt neben dem Tagebaurestloch, 500 Meter vor einem Stück erhaltener Zonengrenze. Das Paläon – ein Prachtbau aus verspiegeltem Glas und Beton auf einer Steppe in Schöningen. Sicher nicht die schillerndste Adresse für Archäologie von Weltniveau, aber bodenständig und authentisch. Der Fundort 300 000 Jahre alter Speere, ab sofort geöffnet.

In nur viereinhalb Jahren Projektierung – von der Mittelfreigabe durch den damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff bis zur Fertigstellung – wurde das Forschungs- und Erlebniszentrum Paläon realisiert, ohne Mängel und ohne Mehrkosten. Das fand am Montag im Rahmen der offiziellen Eröffnung besonderes Lob der Initiatoren, Politiker und der geladenen Gäste.
Der aktuelle niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil eröffnete mit einem Rundgang durch die Dauerausstellung das Paläon und zeigte sich begeistert: „Das ist ein einmaliges Projekt. Niedersachsen entwickelt sich immer mehr zur Schatzkammer für Archäologen.“
Acht 300 000 Jahre alte Speere sowie zahlreiche Holzartefakte, Steingeräte und Tierknochen, überwiegend von Pferden, der primären Beute der vorzeitlichen Jäger, wurden vor fast 20 Jahren aus dem Tagebau geborgen. Sie sind die ältesten bisher entdeckten Jagdwaffen der Menschheit und gehören zu den „zehn bedeutendsten Funden der Menschheit“ überhaupt, so die Einstufung von Dr. Stefan Winghart vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege.
Die sogenannte „Erlebnis-Ausstellung“ zeichnet mit der Präsentation der Originalfunde und einiger Leihgaben ein umfassendes Bild unserer Urahnen, des Homo heidelbergensis, über Leben und Alltag, aber auch Flora und Fauna vor 300 000 Jahren. Eine riesige Panoramawand, 30 mal vier Meter groß, vermittelt einen Gesamteindruck über den stetigen Wechsel zwischen Kalt- und Warmzeiten der damaligen Zeit. Emotionaler Höhepunkt der Ausstellung ist nach Einschätzung der Macher ein 250-Grad-Kino, in dem der Besucher einer Jägergruppe folgen kann, er bekommt die Geschichte der Speere noch einmal erzählt.
Auf der 24 Hektar großen Außenfläche ist die charakteristische Landschaft des Paläolithikums mit wiesenartiger Steppe und Wald (der muss allerdings noch ein wenig wachsen) nachgestellt, bewohnt von einer Herde Wildpferde.
Insgesamt 15 Millionen Euro hat sich das Land Niedersachsen das Paläon kosten lassen, eine Investition nicht ohne Gegenwind. „Geldverschwendung“, urteilte schlicht der Bund der Steuerzahler, der die Speere lieber in einer bestehenden Institution in Hannover oder Braunschweig gesehen hätte.
Wer am Ende recht behält, wird sich zeigen. Fakt ist, dass mindestens 70 000 zahlende Besucher jährlich nach Schöningen reisen müssen, um das Projekt zusammen mit Sponsoren am Leben zu erhalten. Das Konzept setzt stark auf Schüler, das Paläon ist anerkannter außerschulischer Lernort, somit qualifiziert für Exkursionen. Ein Besucherlabor lädt zum Forschen ein, echte Forscher sitzen eine Tür weiter. In Archäologie-Fachkreisen gilt der Tagebau in Schöningen schon lange als Schatzkiste. So kündigt Christoph Schulz, Aufsichtsratsvorsitzender der Paläon GmbH, bereits „nicht das Ende der Fundstücke“ an. Dem Paläon täte das nur gut, dann wären die Speere als Attraktion etwas entlastet.
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