Anzeige

Die schöne Müllerin

Ina Müller kann anders: Mit ihren Balladen spricht sie leise Töne an, sehr gefühlvoll und melancholisch. Fotos: Susanne Hübner

Ina Müller in der ausverkauften Volkswagenhalle – ein wenig derb, aber dennoch richtig gut.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 25. Februar 2014.

Braunschweig. Die Müllerin hat wieder hingelangt: Ausverkauftes Haus, johlendes Publikum, die letzten Kritiker ruck-zuck um den Finger gewickelt.

Das gern plattdeutsch sprechende Nordlicht ist in die Jahre gekommen (sagt sie), sie sabbelt (O-Ton Müller) ziemlich viel an diesem Sonntagabend in der VW-Halle, vor allem über ihr Alter, ihre Hitzewallungen, ihre Falten, ihre Speckwanderungen, kurzum – über die Wechseljahre.
Das heißt, sie sabbelt eigentlich nicht, sie kokettiert. Denn ein wenig nervig ist es schon, wenn eine Frau, die aussieht wie Ina Müller (nach wie vor der Hammer!) immer und immer und immer wieder über Speck und Falten spricht. Wo denn??? Aber egal, vielen im Publikum (auch in die Jahre gekommen) spricht sie aus dem Herzen. „Ich bin ein kleines dampfendes Biokraftwerk“, unkt sie und fächelt sich Luft zu.
Und Braunschweig hat noch eins obendrauf gesetzt: „Das ist die einzige Stadt, die angefragt hat, ob ich ein Geländer brauche“, sagt sie, klettert die Stufen von der Bühne runter und raunzt in den Saal „habt ihr das Helene Fischer auch gefragt?“
Und dann steht sie vor Ferdinand, genannt Ferdi oder auch Ferdel – das erfahren die Besucher so nach und nach, denn Ina flirtet mir Ferdi und der hält sich wacker. „Man kann Männern im Gesicht ansehen, ob sie fremdgehen“, sagt die Müllerin und blickt tief in Ferdis Augen. Keine Spuren zu finden.
„Ihr guckt uns nach und denkt: Was für ein Arsch“, erklärt sie nebenbei geschlechtsspezifische Sichtweisen, „wir denken das Gleiche, gucken euch aber ins Gesicht.“
Manchmal kommt sie derbe rüber, der eine oder andere Kalauer ist unnötig. Hat sie gar nicht nötig, denn sie kann so viel mehr. Vor allen Dingen singen. Das tut sie dann auch endlich.
Kippt mitunter direkt aus der Zotenstimmung in eine ihrer Balladen, „Mama“ zum Beispiel, oder „Fremdgehen“ – Gänsehautfeeling. Ihre kraftvoll-rauchige Stimme kommt dann perfekt zur Geltung, auf den Leinwänden links und rechts neben der Bühne heftet sich die Kamera auf ihr Gesicht, das die Blicke auf sich zieht und fesselt.
Aber bevor es rührig wird, schaltet sie ihr breites Grinsen an, macht wieder ein paar derbe Sprüche und tanzt los. „Drei Männer her “ oder „Mark“ oder, oder, oder, die Frau ist seit über 20 Jahren am Start, ihre Playlist ist lang. Und fast durchgehend gut.
Begleitet von fünf Musikern und zwei Backgroundsängerinnen bringt sie zweieinhalb Stunden einen Mix aus alten und neuen Stücken, quatscht mit Ferdi und geht erzählend durch den Saal. Die Frau ist nach wie vor ein Erlebnis. Allein wie sie sich bewegt – die Backgroundsängerinnen, die vermutlich halb so alt sind wie sie, wirken direkt steif neben ihr.
Sie hat es einfach im Blut. Die Müllerin überzeugt auf der ganzen Linie. Nicht umsonst ist ihre komplette Tournee ausverkauft.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.