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Die mörderische Behaglichkeit

Das Ensemble sitzt in der Mausefalle. Foto: Komödie

Agatha Christies Klassiker „Die Mausefalle“ feierte Premiere in der Komödie am Altstadtmarkt.

Von André Pause, 22.09.2013

Braunschweig. Whodunnit? Auf Deutsch: Wer war’s? Das ist die Frage, die den geneigten Besucher umtreibt, wenn „Die Mausefalle“ von Agatha Christie auf dem Spielplan steht.

Viele werden die Antwort mittlerweile kennen. Vor allem in Großbritannien, denn im Londoner Westend wird „The Mousetrap“ seit mehr als 60 Jahren täglich gezeigt und gilt damit als das am längsten ununterbrochen aufgeführte Theaterstück der Welt.
Geht es um das Genre Krimi, kann man mit diesem Klassiker augenscheinlich nicht ganz so viel falsch machen. Auch in Jan Bodinus zweistündiger Inszenierung, die jetzt in der Komödie am Altstadtmarkt Premiere feierte, verliert die Mutter aller Kriminalstücke nicht an Faszination.
Der Regisseur pflegt einen unaufgeregt-ruhigen Erzählduktus, der gut in eine Zeit passt, in der Konversation via Kappen einer Telefonleitung zum Erliegen gebracht werden konnte, in der eine Woche englische Landpartie für zehn Pfund zu haben war. Reminiszenzen an eine mechanische Zeit, die durch Anne Gerhardts stilechte Kostüme sowie das von Horst Neumann gestaltete Bühnenbild noch unterstrichen werden.
Vor allem der feinziseliert dargestellte Wohnraum vermittelt – very british – kultivierte Behaglichkeit: rotbraune Tapete im Paisleymuster, gemütliche Feuerstelle, blumenverziertes Plüschsofa et cetera perge, perge.
Natürlich täuscht die Idylle. Fünf Gäste sitzen, eingeschneit und von der Außenwelt abgeschnitten, in der neu eröffneten Pension Monkswell Manor. Im Radio wird ein Mord in London vermeldet, und mit Eintreffen von Detective-Sergeant Trotter (spitzfindig: Theaterleiter Florian Battermann) erhalten die Gastgeber Mollie und Giles Ralston sowie alle anderen die Gewissheit: Die Spur des flüchtigen Täters führt direkt hierher.
Das Rätselraten beginnt, einer der Anwesenden muss es sein. Der vermeintliche Architekturstudent Christopher Wren (quirlig-vital gegeben von Andreas Werth) passt in jeder Beziehung perfekt ins Täterprofil, der extravagante wie mysteriöse Mr. Paravicini (Botond von Gaal agiert pointiert und kraftvoll) wirkt allerdings auch nicht ganz koscher. Miss Casewell (Nina Damaschke verleiht der Rolle gehörig Undurchschaubarkeit) scheint ebenso ein Geheimnis mit sich herumzuschleppen wie Pensionsbesitzerin Mollie (Marion König). Der dauernölenden Nervensäge Mrs. Boyle (herrlich affektiert: Beatrice Fago) traut man nach einer Weile sowieso alles zu. Und überhaupt: Ist Major Metcalf (nuanciertes Spiel von Werner H. Schuster) nicht seltsam still? Giles (Wolfram Pfäffle) Misstrauen gegen alles und jeden zumindest lappt schon mal ins Medizinische. Oder hat er nur etwas zu verbergen? Das wird natürlich nicht verraten. Schließlich gehört es zur Tradition des Stückes, Publikum und Journalisten im Rahmen der Aufführung darum zu bitten, den Täter nicht preiszugeben. Gucken Sie selbst; bis zum 27. Oktober läuft das Stück in der Gördelinger Straße, www.komoedie-am-altstadtmarkt.de .
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