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Die Liebe als Licht des Lebens

Christina (Michaela Schaffrath) urlaubt mit Papa Heinz (Harald Dietl). Foto: oh

Gelungene Inszenierung von Dora Heldts Roman „Urlaub mit Papa“ in der Komödie.

Von André Pause, 02.04.2014.

Braunschweig. Schauspieler sind ja irgendwie schon nette Menschen. Michaela Schaffrath beispielsweise nimmt sich in der Komödie am Altstadtmarkt gleich zu Beginn der Braunschweig-Premiere von „Urlaub mit Papa“ ein paar Minuten fürs Vorweggespräch bei geschlossenem Vorhang.

Nicht, dass die Erläuterungen der Darstellerin essenziell für das Stückverständnis wären, aber die Hinleitung zur Aufführung, in deren Mittelpunkt ein mehr oder weniger zwangsweise gemeinsamer Urlaub von Tochter und Vater steht, bringt sie in liebevoller Verzweiflung auf den Punkt: „Pubertät ist, wenn die Eltern schwierig werden.“
Als frisch geschiedene Christine Schmidt wollte Schaffrath eigentlich nur ein bisschen freie Zeit bei Marleen (Astrid Straßburger) auf Norderney verbringen und der Freundin bei der Renovierung ihrer geerbten Pension helfen. Doch nun ist Papa (Harald Dietl) dabei. Der alte Herr übernimmt zusammen mit dem schusseligen Inselreporter Gisbert (Dustin Semmelrogge) gleich mal ungefragt die Regie auf der Baustelle, die natürlich nicht die einzige in diesem Stück bleibt: Marleen ist frisch verliebt in Nils (Andreas Werth), die agile Hannelore (Renate Koehler) findet Gefallen an Strohwitwer Heinz und Christine verguckt sich in die schönen Augen von Johann. Als Gisbert dann auch noch von einem unbekannten Heiratsschwindler berichtet, ist das Chaos perfekt.
Angenehm ist, dass Regisseur Jan Bodinus für die Inszenierung von Dora Heldts Bestseller einen wenig überreizten Erzählduktus findet, was den einzelnen Charakteren Luft zum Atmen gibt. Nutzen können die rollenbedingt vor allem Renate Koehler, deren aufgekratzte Hannelore dem zwangsaktiven Teil der 50-Plus-Generation ein Denkmal setzt, Dustin Semmelrogge – ganz der Vater – als krakeeliger wie kauziger Reporter, und last but not
least Harald Dietl, bei dem als Papa Heinz Schmidt die Lakonie zu Hause ist.
Die Besucher in der mit Zusatzbestuhlung auf beiden Seiten des Parketts proppenvollen Altstadtmarktkomödie sehen ein im Zusammenspiel insgesamt sehr harmonisches Ensemble, was vor allem auffällt, wenn die kleine Bühne des Hauses mit sieben Schauspielern voll besetzt ist. Am Ende finden sich – wie sollte es anders sein – die Paare zum Happy End. „Die Liebe ist das Licht des Lebens“, findet die Gesellschaft in trauter Zweisamkeit. Nur Papa Heinz möchte das nicht unwidersprochen im Raum stehenlassen und fährt den anderen ein letztes Mal in die Parade: „Und in der Ehe kommt die Stromrechnung“, meint der alte Grantler.
Da haben wir es wieder: Eltern bleiben eben auch nach der Pubertät schwierig. Aber das macht gar nichts, wenn die Kinder in gleichem Maße Verständnis aufbringen. Das Publikum spendet langen Applaus.
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