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Die Leichtigkeit als Widerspruch

Plastiken des Bildhauers Emil Cimiotti sind bis zum 9. Juni im Städtischen Museum zu sehen.

Von André Pause, 21.04.2013.

Braunschweig. Das wurde aber auch Zeit, mag sich sicher manch einer gedacht haben. Erstmals wird das Oeuvre des Künstlers Emil Cimiotti in Braunschweig im Städtischen Museum gezeigt.

Bis zum 9. Juni ist die dreiteilige Ausstellung „Zum Greifen Nah“ im Haus am Löwenwall zu sehen. Es ist eine Zusammenstellung von 58 frühen, mittleren und späten Plastiken und Zeichnungen, die Museumsleiterin Cecilie Holberg gemeinsam mit dem Bildhauer in Szene gesetzt hat. Der Titel dieser Werkschau scheint dabei gleich in mehrerer Hinsicht passend gewählt zu sein. Zum einen lebt Cimiotti in Wolfenbüttel und arbeitet in seinem Atelier in Kissenbrück-Hedwigsburg, produziert seine Kunst also quasi um die Ecke.
Darüber hinaus bilden vor allem jene Werke den Schwerpunkt der Ausstellung, die sich heute in Braunschweig, der Region, in Niedersachsen befinden. Und schließlich sind die Arbeiten berühr- und damit auch erfahr- beziehungsweise greifbar.
Cimiotti, 1963 Gründungsmitglied der Hochschule für Bildende Künste, ist einer der wenigen Künstler, der ausschließlich nach klassischem, Jahrtausende altem Wachsausschmelzverfahren arbeitet. Dabei werden die Objekte aus Wachs geformt, gezogen, geschnitten und später in Bronze gegossen. „Da der Ursprung im Negativ verloren geht, ist jedes Werk ein Unikat“, verdeutlicht Holberg. Als roter Faden in Cimiottis Schaffen kann das beinahe durchgehend themenbezogene Arbeiten gesehen werden. Kontextuelle Verbindungslinien zwischen einzelnen Plastiken sind bei aller Einmaligkeit mehr als deutlich. Im ersten Abschnitt der frühen Werke sind ausschließlich kleine und feingliedrige Skulpturen zu sehen. „Cimiotti hatte damals noch nicht die Mittel, höhere Gusspreise zu bezahlen. Nach dem Krieg und der wirtschaftlichen Flaute waren diese Formate für ihn bis in die 60er-Jahre üblich“, skizziert Cecilie Holberg.
Die Mittlere Phase greift bevorzugt gesellschaftspolitische Themen auf. Hier werden Einflüsse der Pop Art auf die informelle Kunst deutlich. So ist die Endlichkeit von Ressourcen im Werk Cimiottis manifestiert („Die Mahlzeit ist zu Ende“, 1976). Anderswo werden Memento-mori-Motive aufgegriffen („Romeo und Julia“, 1974). Auffällig ist bei diesen Plastiken, wie auch bei den späten Arbeiten im dritten Ausstellungsteil eine dem Material widersprechen wollende gestalterische Leichtigkeit: Flügelpaare treffen auf luftige Baumwipfel und sich wellende Flächen. Dabei nimmt die Bronze die Biegsamkeit des Ursprungsmaterials Wachs scheinbar spielend auf.
Geöffnet ist „Zum Greifen Nah“ dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Jeden Dienstag um 19 Uhr bietet Museumsleiterin Cecilie Holberg zudem Führungen durch die Ausstellung an. Der Eintritt ist frei. Am heutigen Sonntag (15 Uhr) wird es außerdem ein Konzert mit Renaissancemusik geben.
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