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Die Klosterkirche: Noch immer ein Ort der Entschleunigung

Idyllisch im Grünen gelegen, bieten die alten Mauern der Klosterkirche Riddagshausen einen ehrfurchtgebietenden Anblick. Das große Festportal (rechts) wird nur beim Kirchweihfest geöffnet und darf auch zum 800-jährigen Jubiläum durchschritten werden.
 
Pfarrer Bernhard Knoblauch.

Die „Keimzelle“ Riddagshausens feiert das 800-jährige Jubiläum ihrer Grundsteinlegung.

Von Christoph Matthies, 14.06.2016.

Braunschweig. Wer über Lebensqualität in und um die Löwenstadt nachdenkt, der muss nicht lange grübeln, bis ihm der idyllische Stadtteil Riddagshausen einfällt. Das Wahrzeichen des Örtchens, der nur einen Steinwurf östlich der Stadt liegt, die Klosterkirche, erlebt in diesem Jahr das 800. Jubiläum seiner Grundsteinlegung. Ab Freitag wird das gebührend gefeiert.

Dass Riddagshausen heute das beliebte Naturparadies und Ausflugziel vor den Toren der Stadt ist, hat viel mit den Zisterziensern zu tun, die sich im Jahre 1145 am Rande des kleinen Weilers „Ridtageshusen“ niederließen. Mit dem Kloster kam reges Treiben in die Gegend, beschränkten sich die Mönche doch nicht nur aufs Beten – „ora et labora“ hieß es schließlich. Und die Arbeit kam auch bei den Ordensbrüdern in Riddagshausen nicht zu kurz, sei es auf den Feldern, im Gemüse- oder Kräutergarten oder an den von ihnen angelegten 28 Fischteichen.
Immerhin elf von diesen Teichen locken noch heute viele Ausflügler ins Naturschutzgebiet. Und nur wenige, die nach Riddagshausen kommen, lassen sich die „Keimzelle“ des Ortes, die Klosterkirche, entgehen. Nachdem ihr Grundstein im Jahr 1216 gelegt worden war, wurde sie immer wieder Zeuge kriegerischer Handlungen, wurde oft beschädigt, fast zerstört. Und doch hat sie die Zeiten überstanden.

Einer, der sich mit Geschichte und Gegenwart der Zisterzienserkirche richtig gut auskennt, ist Bernhard Knoblauch. Der Pfarrer arbeitet hier, hält hier die evangelischen Gottesdienste. Auch für Taufen oder Hochzeiten ist das gewaltige Bauwerk mit seinem friedlichen Klostergarten, der von 21 Kulturpaten gepflegt wird, ein beliebter Ort.

„Es zieht sich durch die Geschichte des Klosters und seiner Kirche, dass sie ganz viel Transformation erlebt hat“, erklärt Knoblauch. Etwa von einem Ort, wo Mönche relativ abgeschottet gelebt haben, hin zu einem Idyll, das den Stress des Alltags außen vorlässt und Menschen von überallher erlaubt, „jenseits der alltäglichen Reizüberflutung die Seele baumeln zu lassen“, wie der Pfarrer es ausdrückt.
„Es bleibt alles anders“ lautet das Motto der Jubiläumsfeierlichkeiten, die am kommenden Freitag beginnen, denn natürlich ist es auch für die Kirche wichtig, sich trotz aller Traditionen immer wieder zu erneuern und sich aktuellen Gegebenheiten anzupassen. „Bestand gibt es nur in der Veränderung“, betont Knoblauch. Gerade hat die Klosterkirche eine hochmoderne, schicke Homepage bekommen.

Den Höhepunkt der Feierlichkeiten stellt wohl die musikalische Sommernacht am Samstag im Klostergarten dar. „Das wird ein ganz buntes Treiben geben“, verspricht Knoblauch, der die Besucher dazu ermuntert, sich Picknickdecken mitzubringen.


DAS PROGRAMM

Freitag, 17. Juni

21 Uhr: Serenade im Klostergarten: „Oh schaurig ist’s...“ Romantische Bläsermusik und deutsche Balladen; Posaunenchor der Propstei Braunschweig. Ltg: Kantor Jürgen Schwanke, Georg Renz – Rezitation

Samstag, 18. Juni

4. Riddagshäuser Zisterzienser-Tag:

9.30 Uhr: Eröffnung mit Morgengebet in der Klosterkirche und Grußwort des Landesbischofs Dr. Christoph Meyns

10 Uhr bis 16.30 Uhr: Regionalgeschichtliches Symposium im MMI (Klostergang 53)

17 Uhr: Gregorianische Vesper in der Klosterkirche Männerschola Gregoriana
Ltg: Kantor H.-D. Karras

18 Uhr: Musikalische Sommernacht im Klostergarten mit der Bigband der Musikschulen aus Wolfsburg und Braunschweig (20 Uhr) sowie einer Feuershow

Sonntag, 19. Juni

11 Uhr: Festgottesdienst:
Pfarrer Bernhard Knoblauch
Pröpstin Uta Hirschler
Posaunenchor der Propstei BS
Riddagshäuser Kammerchor
Orgel: Kantor H.-D. Karras
Anschließend Empfang im Klostergarten

15 Uhr: Kaffeekantate im Klostergarten: „Schweigt stille, plaudert nicht...“ J.S. Bach Kaffee- und Bauernkantate; Riddagshäuser Kammerorchester, Solisten; Ltg: H.-D. Karras

Freitag, 24 Juni

19.30 Uhr in der Klosterkirche: Amadigi Di Gaula:
Oper von G.F. Händel, Konzertante Aufführung mit dem Staatsorchester Braunschweig und Solisten von „Barock Vocal“ der Hochschule für Musik Mainz (Ltg: C. Rohrbach)
Karte: 20 Euro (erm. 15 Euro)


DIE GESCHICHTE

•1145: Als Filiation des Mutterklosters Amelungsborn wird das Zisterzienserkloster zunächst unter dem Namen Marienzelle gegründet. Ludolf von Wenden, ein Ministerial Herzog Heinrichs des Löwen, stiftet dem Kloster sechs Hufen (45 ha) Land. Ein Jahr nach der Gründung überträgt der Herzog dem Kloster das Dorf Ridtageshusen.

• 1147: Papst Eugen III. stellt das Kloster unter seinen Schutz.

• 1216: Der Grundstein für die neue Klosterkirche, die den Vorgängerbau ersetzen soll, wird gelegt. Rund 60 Jahre später, am 12. Juni 1275 wird die Kirche schließlich geweiht.

•1451: Kardinal Nikolaus von Kues besucht das Kloster als Legat von Papst Sixtus IV. und gewährt dem Abt von Riddagshausen bischöfl. Rechte.

• 1568: Die Reformation hält unter Herzog Julius in Riddagshausen Einzug. Nach ihrer Umsetzung ist die Klosterkirche eine evangelisch-lutherische Gemeindekirche.

• 1690: Unter Abt Johann Lucas Pestorf wird im Kloster das erste evangelische Predigerseminar Deutschlands (mit Klosterbibliothek) gegründet.
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