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Die hohe Kunst des Überlebens

Künstlerin Fehmi Baumbach gab vor Ort Tipps für die Rezeption ihrer Arbeiten. Foto: André Pause
 
Rund 300 Besucher kamen zur Eröffnung der BBK-Jahresaustellung ins Raumlabor an der Hamburger Straße. Foto: Pause

Thema Intensivstation: Bis 27. Juli ist im Raumlabor die Jahresausstellung des BBK zu sehen.

Von André Pause, 02.07.2014.
Braunschweig. Als abgeschlossenen Raum, in dem Experten versuchen, Zeit zu gewinnen, skizziert Dr. Thomas Wimmer die Intensivstation. Zeit, die idealerweise dazu genutzt wird, dem Patienten die Chance zu geben, den Ort gesundheitlich verbessert zu verlassen.

Der Oberarzt des Marienstifts wurde gebeten, zur Eröffnung der Jahresausstellung des Bundes Bildender Künstler (BBK) im Raumlabor an der Hamburger Straße ein paar Worte zu sagen; seine erste Rede vor Kunstinteressierten, wie der Mediziner betont. Letztlich geht es in beiden Disziplinen für nicht Wenige um die hohe Kunst des Überlebens. Wimmers Appell, eine zeitnahe Diskussion zur Frage „Wie viel ist uns der alte oder kranke Mensch wert?“ in Gang zu bringen, lässt sich – entsprechend abgewandelt – in viele Bereiche des Lebens transferieren.
Für die Kunst ist die Empfehlung beinahe eins zu eins anwendbar. Der Stadt Braunschweig sind die 82 Werke der
53 BBK-Künstler immerhin die Zurverfügungstellung des Raumlabors wert, in dem die Arbeiten nun zu sehen sind. Die Präsentationsstätte an der Hamburger Straße ist der Ausstellung weitaus angemessener, als es das Torhaus an der Humboldtstraße aufgrund seiner Größe naturgemäß sein könnte.
Und der Raum wird gut genutzt. Die Mitglieder des BBK stellen in einer gelungenen Melange verschiedenster Kunstsparten ihre Perspektive auf das Thema Intensivstation aus – bildhauerisch, filmisch, fotografisch, grafisch, malerisch, zeichnerisch oder durch Installation. Mal mehr, mal weniger sezieren sie dabei den Oberbegriff und entwickeln neue Anordnungen für neue Assoziationen.
Sehr medizinisch denken die Vorgabe unter anderem Bärbel Moré und Sany Abdullah. Während Moré in ihrer achtteiligen Installation – bei der papierne Torsi durch rote, im Herzbereich zur Spirale geformte Bänder zum Zwecke der „Lebensstromversorgung“ mit einem zentralen Kraftzentrum verbunden sind – eine Form der Abhängigkeit bebildert, dokumentiert Abdullah mit in Ölfarbe gemalten Röntgenbildern von Kopf und Becken einen nicht ganz so günstigen Gesundheitsstand.
Einen Schritt weiter in der Partitur ist Heike Czerwonka-Dörges. Sie widmet sich mittels Malerei und Zeichnung auf Folie der Auflösung beziehungsweise Entkörperlichung. Die nebeneinander gehängten Teile ihrer Arbeit könnten eine Draufsicht eines Doppelgrabes darstellen. Einige Künstler finden ganz andere Zugänge zur Terminologie. Dabei kommt es vor, dass Verbindungslinien zwischen Arbeiten aus unterschiedlichsten Sparten allein durch die zugrunde liegende Idee bestehen. So hatten sowohl Fehmi Baumbach als auch nB-Fotograf Thomas Ammerpohl intensive Erlebnisse auf Reisen vor Augen. Im Ergebnis freilich könnten die Unterschiede nicht größer sein: Während Baumbachs fein ziselierte Collagen die Fortbewegung zu Wasser oder in der Luft in den Mittelpunkt stellen, akribisch vermessen durch allerhand Koordinaten, setzt Ammerpohl in seinen Schwarz-Weiß-Fotografien auf die Intensität der Begegnung in der Fremde.
Bis zum 27. Juli ist die Ausstellung zu sehen. Die Öffnungszeiten sind mittwochs und freitags von 15 bis 18 Uhr, donnerstags von 15 bis 20 Uhr sowie sonntags von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Weitere Infos finden Sie unter www.bbk-bs.de im Internet.
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