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Die Guerilla-Girlgroup auf dem Weg zur Apokalypse

Unterhaltsame Premiere von Laura Naumanns „demut vor deinen taten baby“ im U22.

Von André Pause, 24.03.2013.

Braunschweig. Immer mehr, immer weiter und zwischendurch Alarmsirenen überhören, bis Auf-die- Nase-fallen angesagt ist oder gleich alles zusammenkracht. „demut vor deinen taten baby“ ist als satirische Farce auf die wachstumsgläubige Gesellschaft zu verstehen.

Regisseurin Lisa Kempter hat die literarische Vorlage der jungen Autorin Laura Naumann für das Staatstheater im U22 inszeniert; nicht ausufernd originell zwar, aber durchaus unterhaltsam und vital.
Der Schicksalspakt Lore (Nientje Schwabe), Mia (Fanny Staffa) und Bettie (Rika Weniger) beginnt auf einem Flughafenklo, wo ein herrenloser Koffer die Damen zum Verbleib nötigt. Die Entwarnung der Sicherheitskräfte beendet die Todesangst, beflügelt und lässt schließlich ein Glücksgefühl aufkeimen. Die durchgemachte Notsituation schweißt das Trio im Nachgang zu einer Art Guerillia-Girlgroup zusammen, die gedenkt, die selbsterlebte Form des Glücks fortan in die Gesellschaft, ins ganze Land zu tragen – als „Terroranschlagssimulator“, der androht, um zu provozieren.
„Jetzt ist fucking Apokalypse“, ruft Lore enthusiastisch. Bleiben Fake-Überfälle auf Diskotheken noch folgenlos, werden die Frauen bei einer Aktion im Supermarkt jedoch festgenommen.
Nachdem unsere Heldinnen sich die veritable Pause als Bedenkzeit erbeten, um zu überlegen, wie sie aus dieser Nummer wieder rauskommen, werden sie von der verdächtig auffälligen Milde der Exekutive überrascht: Keine Strafe. Das abermals erleichterte Gespann verliert in gut gemeinter aber naiver Obsession zusehends den Überblick und lässt sich durch das System instrumentalisieren. Als der Glücksterrorismus Wirkung zeigt, die Mitmenschen den Sachzwängen entfliehen, das Arbeiten einstellen und ihre Versicherungen kündigen, droht der Kollaps. Wie weit nun gegangen werden darf, um die alte Ordnung wiederherzustellen, darüber herrscht Uneinigkeit bei den Ikonen im Büttel-Status. Ins Männerfußballnationalteam (!) eingeschleust, fachsimpeln die Drei darüber, ob es eine gute Idee wäre, Einlaufjungen zu erschießen, bevor sie sich im Dreiecksduell mit erhobener Waffe streitend selbst richten.
Nientje Schwabe, Fanny Staffa und Rika Weniger spielen ihre Rollen – die Charakterzeichnung zum Einstieg läuft im Dialog mit den Besuchern – bis zum echten „letzten roten Blut“ engagiert und bisweilen hochkomisch, ohne ihre Figuren dabei auch nur ansatzweise der Lächerlichkeit preiszugeben. So hat die Geschichte, selbst wenn sie im Stück kein positives Ende nimmt, durchaus etwas Gutes und Versöhnliches: Glück als gemeinsame Arbeit an der Verbesserung wird nicht infrage gestellt. Pussy Riot – ick hör dir trapsen!
Am 27. März, 4., 17. und 22. April sowie am 20. und 30. Mai ist das Stück wieder zu sehen.
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