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Die Geheimnisse der Blockflöte

Maurice Steger ist musikalischer Leiter des 6. Sinfoniekonzertes. Foto: MolinaVisuals/oh

Maurice Steger ist Solist und musikalischer Leiter beim 6. Sinfoniekonzert des Staatsorchesters

Von André Pause, 20. Februar 2015.

Braunschweig. Als „Hexenmeister“ oder auch als „Paganini der Blockflöte“ wurde Maurice Steger öffentlich schon bezeichnet. Ohne Zweifel gehört der Schweizer Starblockflötist und Dirigent zu den Stars der klassischen Musik. Am morgigen Sonntag (11 Uhr) und am Montag (20 Uhr) ist der Spezialist für Barockmusik als Solist und musikalischer Leiter beim 6. Sinfoniekonzert des Staatsorchesters dabei.

? Herr Steger, wohl für viele unter uns ist Ihr Instrument, die Blockflöte, untrennbar verbunden mit dem Musikunterricht in der Grundschule. Wie sind Sie auf den Hund beziehungsweise die Blockflöte gekommen?

! Ich bin nicht nur auf die Blockflöte gekommen, sondern ich bin auch bei ihr geblieben. Bereits mit 13 Jahren habe ich bemerkt, dass dieses Instrument nicht nur Probleme mit sich bringt, sondern auch Geheimnisse. Wie schwer ist es, einen beseelten Klang aus diesem Stück Holz hervorzuzaubern. Diese Aufgabe beschäftigt mich bis heute. Und immer wieder habe ich neue Erkenntnisse, was den Klang und die Spielweise der Blockflöte betrifft. Das hält Jung und frisch!

? Der ein oder andere, der mal Blockflöte gespielt hat, hat das Instrument spätestens in der Jugend gegen ein vermeintlich imageträchtigeres eingetauscht. Was fasziniert Sie bis heute an diesem Instrument mehr als an anderen?

! Mich fasziniert das Instrument von A bis Z. Darauf lauter zu spielen als eine Oboe, artikulierter als eine Querflöte oder voluminöser als eine Geige; so schwierig das auch sein mag, so faszinierend ist es auch. Außerdem ist der Klang der Blockflöte so außergewöhnlich anders als der Klang der anderen Blasinstrumente, dass diese Klangfarbe in jedem Werk eine besondere ist. Auch eine schöne Chance.

? Inwiefern ist es Ihnen als junger Musiker ein Anliegen, das Ansehen der Blockflöte als Instrument ein bisschen zu entstauben?

! Natürlich ist es mir ein Anliegen, für mein Instrument auch ein modernes und schönes Image zu bilden, was ich nicht nur visuell (die Fotoshootings sind natürlich in Zusammenarbeit mit meiner CD Firma und meinen Agenturen in Auftrag gegeben und widerspiegeln auch den heutigen Zeitgeist) sondern auch mit Konzerten tue: Ich habe Jugend- und Kinderkonzerte konzeptioniert, moderierte Anlässe und neuere Locations für klassische Konzerte mit ausgesucht – vor allem um auch andere Menschen auf die Schönheit unserer Musik hinzuweisen.

? Sie spielen Ihrem Repertoire entsprechend verschiedenste Blockflöten. Welche Kriterien sind entscheidend für die Wahl des richtigen Instruments?

! Ein Instrument muss so klingen, wie es sich der Komponist in etwa vorgestellt hat. Aus diesem Grunde bin ich ein Gegner von modernisierten Varianten der Blockflöte, sprich moderne Instrumente mit Klappen und veränderter Technik. Meine Blockflöten sind allesamt Kopien von alten Originalen. Stimmungsmäßig (wie hier in Braunschweig, wo wir in einer hohen sprich modernen Stimmung musizieren), lautstärkenmäßig (mit einem größeren „Voicing“ erhält man mehr Klangfülle – wie hier in Braunschweig, wo die Stadthalle nicht gerade die Größe eines barocken Salons hat) und um den gegebenen Umständen zu entsprechen (wenn ich mit modernen Streichern und einer Fülle von Musikern zusammenspiele), brauche ich ein widerstandsfähiges Material. Ich habe deshalb vornehmlich Grenadillholz gewählt und spiele vor allem Blockflöten von Ernst Meyer.

? Antonio Vivaldi Concerto per flauto D-Dur RV 375, Christoph Wagenseil Sinfonia g-Moll, Antonio Vivaldi Concerto „La notte“ g-Moll RV 439, Antonio Vivaldi Concerto per flautino C-Dur RV 443 und W. A. Mozart Sinfonie Nr. 38 KV 504 „Prager“ werden beim 6. Sinfoniekonzert zu hören sein. Was hat Sie zu diesem Programm bewogen?

! Es geht in diesem Programm von den hochbarocken Klängen in die frühklassische Welt eines Herrn Wagenseils bis hin zum sehr erwachsenen Mozart. Diese enorme Entwicklung in relativ kurzer Zeit möchte ich zeigen. Außerdem erwarten uns auch unterschiedliche Besetzungen, vom kleinen Consort, versammelt um eine Blockflöte bis zur sinfonischen Größe der Prager Sinfonie, welche ich freudig und mit viel Temperament versuche zu dirigieren.

? Sie arbeiten weltweit mit den renommiertesten Orchestern zusammen. Wie würden Sie das Staatsorchester Braunschweig charakterisieren?

! In Braunschweig haben wir ein tolles Orchester, ein Pool von sehr guten Musikern, welche in verschiedenen Welten zuhause sein müssen, da das Orchester ein wirklich großes Repertoire hat. Und ich komme immer wieder sehr gerne hierher mit dem frühstmöglichen Partituren aus dem 18. Jahrhundert: ich mag die Stadt, liebe die Herzlichkeit im Orchester und der involvierten Menschen sehr, die Offenheit und Bereitschaft, immer so gut wie möglich zu spielen. Seien Sie stolz auf Ihr Orchester!
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