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Die Freude am Lernen

Die Eltern Marko Werner (l.) und Nina El Karsheh nehmen Filius David (Ralph Kinkel) ins Gebet. Foto: Volker Beinhorn

Gavaldas „35 Kilo Hoffnung“ feierte Premiere im Jungen Staatstheater.

Von André Pause, 20.09.2014.
Braunschweig. 35 Kilo – das klingt erst mal nicht viel. Wird allerdings die Hoffnung – die ja nur im sehr übertragenen Sinn Gewicht haben kann – quantifiziert, kann das schon eine ganze Menge sein.

Vielleicht ist dies die Botschaft, die die Autorin Anna Gavalda ihrem Roman „35 Kilo Hoffnung“ mit auf den Weg geben wollte: Schreibt junge Menschen nicht vorschnell ab, tut mehr für sie, ihre individuellen Begabungen und die Freude am Lernen.
Zum Start in die neue Spielzeit hat das Junge Staatstheater die 2005 für den Deutschen Literaturpreis nominierte Vorlage auf die Bühne im Haus Drei gebracht. Die Botschaft Gavaldas, Kritik am verkrusteten (französischen) Bildungssystem implizit, wird durch die etwa 80-minütige Inszenierung von Martin Grünheit quasi eins zu eins durchgereicht.
Marko Werner, Nina El Karsheh und Ralph Kinkel spielen (und singen) in andauernder Rollenrochade Schulkarriere und Lebensumfeld des David Dubosc. Der fängt mit dreieinhalb Jahren an, die Schule respektive Vorschule zu verfluchen, bleibt gleich zweimal sitzen. Die einzige positive Konstante ist die gemeinsame Zeit mit Opa Leon, der ein bisschen ist wie er: ein Erfindergeist, ein Kind der Praxis.
Die Gefühle, Erlebnisse, Ängste und Zweifel auf dem Weg zum guten Ende – David darf nach einem Test schließlich auf die Grandchamps-Schule, ein technisches Gymnasium, und der geliebte kranke Großvater kann das auch noch miterleben – vermittelt das Ensemble mit viel Verve. Ein Höhepunkt ist die ins Komödiantische lappende Ansprache der Eltern an den schulisch scheiternden David, die zwar die ganze Hilflosigkeit und Verzweiflung aber auch die Lächerlichkeit, die solchen Veranstaltungen sehr wohl auch innewohnt, sehr gut sichtbar macht.
Schön auf den Punkt bringt die Krux des gleichgeschalteten Lernens zudem die Bühne von Imke Paulick, die zunächst gewissermaßen als klinisch weißer, aseptischer Raum für Erlebnisse und Gedanken Davids fungiert, durch bildstarkes Bespielen aber nach und nach ihren Schrecken verliert.
Weitere Infos zum Stück für Menschen ab dem neunten Lebensjahr: www.staatstheater-braunschweig.de.
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