Anzeige

Die Blicke auf eine andere Welt

Die Journalistin Lela Ahmadzai zeigt in der Galerie Hugo 45 Foto- und Videoarbeiten. Foto: André Pause

„Highway of Conquest“: Die Galerie Hugo 45 zeigt Afghanistan-Reportagen von Lela Ahmadzai.

Von André Pause, 06.04.2104.

Braunschweig. Gleich drei sehenswerte Foto- und Videoreportagen über ihr Heimatland Afghanistan präsentiert die Journalistin Lela Ahmadzai unter dem Titel „Highway of Conquest“ (Straße der Eroberung) bis zum 27. April in der Galerie Hugo 45.

Durch den laufenden Bundeswehrabzug und die Präsidentschaftswahlen ist der südasiatische Vielvölkerstaat augenblicklich in aller Munde. Unter diesen Gesichtspunkten kann eine Ausstellung kaum aktueller sein. Drei- bis viermal im Jahr reist Lela Ahmadzai nach Afghanistan. Sie ist in Kabul geboren und aufgewachsen, spricht die Sprache der Menschen, ist eine von ihnen. Das schafft Vertrauen, baut Brücken vor Ort.

Die Webdokumentation „Stille Nacht“ wäre Journalisten aus anderen Teilen der Welt in dieser Form wohl nicht möglich gewesen. Im Fokus der Arbeit steht das Massaker von Kandahar am 12. März 2012, bei dem der US-Staff-Sergant Robert Balles 16 Menschen tötete und sechs weitere verletzte. Ahmadzai hat mit Überlebenden und Angehörigen gesprochen. Die Betroffenen äußern sich vor der Kamera überraschend reflektiert, verbergen ihre Gefühle jedoch nicht. „Ich habe als Afghanin sicher Vorteile, an die Menschen heranzukommen. Es existieren bestimmte Codes. Dennoch gab es selbst für mich Lost-In-Translation-Situationen. Insgesamt habe ich sieben Tage mit den Menschen gesprochen“, berichtet die 38-Jährige.

 Mit der Langzeitreportage „Die ersten auf dem Platz“ widmet sich Ahmadzai seit Jahren dem Leben der afghanischen Frauenfußball-Nationalmannschaft. Noch heute ist die freie Entfaltung der Frauen im Land auf vielen gesellschaftlichen Ebenen eingeschränkt. Die Dokumentation dieser Entwicklungen betrachtet die Multimediakünstlerin insgesamt als ihren Arbeitsschwerpunkt. Der aktuelle Stand von „Die ersten auf dem Platz“ zeigt in Foto- und Videoarbeiten wie sich selbstbewusste Frauen via Ausübung ihres Sports gesellschaftliches Terrain und damit Selbstwertgefühl und Lebensqualität erkämpfen. Die Abbildungen der Trainings- und Wettkampfsituationen fangen den Gemeinsinn nachfühlbar ein. „Die Angst vor Anschlägen ist immer noch permanent präsent. Die Fußballerinnen werden aus diesem Grund von Sicherheitskräften beschützt und trainieren jeden zweiten Tag auf dem Militärcamp der Isaf in Kabul. Deshalb ist es nichts Außergewöhnliches, dass die Frauen ihr Training zwischendurch unterbrechen müssen, weil ein Militärhubschrauber auf dem Trainingsplatz landet“, schreibt Lela Ahmadzai in ihrem Begleittext zur Reportage. Auch die gesamtgesellschaftliche Lage derzeit betrachtet sie mit gemischten Gefühlen; sie hofft, dass die jungen Menschen eine Rückentwicklung nicht zulassen, meint sie im Gespräch.

Der dritte, umfangreiche wie titelgebende Bestandteil der Ausstellung „Highway of Conquest“ widmet sich dem Land aus der Vogelperspektive.
Ahmadzai setzt mit spektakulären Luftaufnahmen einen stillen Kontrapunkt zu den beiden anderen eher „lauten“ Teilen der Ausstellung. Vereiste Bergketten, kleine Siedlungen oder die Millionenmetropole Kabul – die fremde Welt präsentiert sich aus sicherer Entfernung.

Dass Lela Ahmadzai trotz allem nicht den Blick aufs Detail verliert, macht die Qualität dieser Arbeiten aus.

Geöffnet ist die Galerie Hugo 45 immer donnerstags von 18 bis 20 Uhr sowie sonntags von 15 bis 18 Uhr.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.