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Die Altersloyalität zu Robert De Niro

Synchron- und Hörbuchsprecher Christian Brückner war zu Gast im Presseclub Braunschweig

Von André Pause, 8. Oktober 2014


Braunschweig. Einige Mitglieder im Presseclub Braunschweig stecken die Köpfe zusammen: Ist er das? Flüchtiges Schulterzucken, leichte Unsicherheit, denn das Markenzeichen des prominenten Gastes Christian Brückner ist weniger seine urwüchsige Optik, sondern vielmehr die kräftige und sonore Stimme.

Diese hat dem Schauspieler und gefragten Hörbuch- wie Synchronsprecher viele Preise und allerlei Huldigungen eingebracht – unter anderem den Spitznamen „The Voice“. Im Restaurant Tandure berichtet der 70-Jährige angeregt, launig und wild mit den Armen rudernd über seine Arbeit: Texten und Romanen aus denen Hörbücher entstehen nähere er sich mit „möglichst langem Atem, großem Vorlauf und wachsender Genauigkeit, um sich das Buch in seiner Gesamtheit zu eigen zu machen“, in seiner Funktion als feste deutsche Synchronstimme von Robert De Niro übe er sich bezüglich dessen seichter gewordener Filmauswahl in Altersloyalität („Wer gibt den Löffel eher ab?“) und mit seiner Frau Waltraut arbeite er „trotz wiederkehrender Differenzen“ verlässlich und präzise im Team.

Wer den Mann hört mag kaum glauben, dass er sich recht wenig um seine Stimme kümmert. „Ich übe nie“, sagt Brückner, der Hörspielprojekte ohne vorweggeschaltete szenische Versuche angeht, und den Ausgleich zum Sprechen durch stilles Lesen, Bilder und nicht zuletzt die Musik findet. Zum Synchronsprechen sei er durch ein ganz normales Casting gekommen. Damals – was in seinem Fall Mitte der 60er Jahre bedeutet – sei die Ausbildung im Schauspielfach insgesamt eine andere gewesen: „Auf Sprache und Artikulation wird heute weniger Wert gelegt“, bedauert Brückner, was er auf das allgemein schwindende Interesse an der Sprache zurückführt. Entmenschlichte Durchsagen im Bahnhof führt er als Beispiel für diese Ausprägung des Kulturverfalls ins Feld. Auch wenn dem zur Marke gewordenen Starsprecher das Szenario unter dem Strich vielleicht sogar zum Vorteil gereicht: Dass Werbeleute ihren Sprechern schon mal die Direktive „Mach uns den Brückner!“ mit auf den Weg geben, findet er nicht ganz so toll.
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