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Der zweite Blick zeigt, wie es wirklich ist

Verfall und Neuentdeckung der Stadt Oakland: Olivier Morel interessiert die Veränderung, die sich hinter scheinbar starren Fassaden vollzieht. Nichts ist hier Zufall, auch nicht die Farbnasen, die durch die Bilderbuchidylle laufen. Foto: Thomas Ammerpohl

Zu Gast in Braunschweig: Olivier Morel lebt und arbeitet in Paris, reist durch die Welt und erzählt mit jedem Bild eine Geschichte – Ausstellung in der Galerie Jaeschke.

Von Marion Korth, 30.04.2016.

Braunschweig. Er wohnt in der Weltstadt Paris und doch zieht es ihn immer wieder hinaus in die Welt: Olivier Morel. An diesem Wochenende war der Maler und Künstler für eine Stippvisite in Braunschweig, wo Galerist Olaf Jaeschke seit Donnerstag seine Arbeiten zeigt.

Mit dynamischem Pinselstrich und in bunten Farben hält Morel in seinen Bildern fest, was wir manchmal und offenbar zu Unrecht „grauen Alltag“ nennen. Amerika, Asien und dort besonders Japan haben es ihm angetan. „Die Faszination ist schwierig zu erklären“, sagt er. Auf der einen Seite seien die Japaner hochtechnisiert, auf der anderen Seite sehr naturverbunden und religiös. Zwischen Modernität und Spiritualität bestehe kein Widerspruch, keine Abgrenzung – wie selbstverständlich würden sie zwischen dem scheinbar Gegensätzlichen hin- und herpendeln. Die Reisen inspirieren ihn, vor allem aber verschaffen sie ihm Abstand zu seiner eigenen Welt, sie schärfen den Blick.
Menschen, Häuser, Tiere: Morels Kunst ist nicht abstrakt, aber auch nicht naturalistisch. „Meine Bilder sind realer als die Realität“, sagt Morel. Mit den Mitteln des Abstrahierens, Vereinfachens und Verdichtens stellt er den Fokus scharf auf den Anfangspunkt der Geschichte, die er erzählen möchte. Manchmal reicht dazu nicht ein Bild, dann malt er gleich mehrere zu einem Thema, wie die Villen im viktorianischen Stil, die er in Oakland bei San Franzisco gesehen hat. Eine dynamische Stadt, von deren Reichtum diese repräsentativen Bauten zeugen, dann kam der Börsencrash, die Reichen waren plötzlich fort, die Häuser verfielen, werden nun gerade wieder von einer neuen Gesellschaft entdeckt.

Hinter statischen Fassaden und plakativen Naturkulissen lauern Dynamik und Veränderung. Ja, auch das Leben in Frankreichs Hauptstadt habe sich nach den Attentaten dort und in Belgien verändert. „Ich selbst war nicht betroffen, aber ich kenne Leute, die verletzt wurden“, sagt er. Die meisten hätten ihr früheres Leben wieder aufgenommen, aber es gibt auch die, die aus Angst Restaurants oder Konzerte meiden. Nach dem 13. November hat Olivier Morel ein Bild gemalt: einen dunklen Wald, fast schwarz. „Sieht aus wie aus einem Horrorfilm“, habe jemand zu ihm gesagt. „Es war schwierig, einfach weiterzumachen.“ Auch mit der Malerei. Morel hat sich des Mittels der Videokunst bedient, lässt in einer Sequenz Häuser explodieren.

Dieser Punkt ist überwunden. In der fernöstlichen Philosophie, dem Buddhismus findet Morel seinen Anker, meditiert, um sich in stressigen Zeiten zur Ruhe zu rufen. Und in einem neuen Videoprojekt lässt er in schier endlos erscheinender Reihe Buddhafiguren am Betrachter vorbeiziehen. Keine Serienproduktion. Jeder Buddha ist ein Unikat und unverwechselbar. Morel liebt das Spiel mit dem ersten Blick, der oft genug täuscht.

• Die Ausstellung in der Galerie Jaeschke, Schuhstraße 42, ist bis zum 26. Mai zu sehen.
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