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Der „vergessene Kaiser“ in neuem Licht

„Otto IV. – Das Kaiserjahr 2009“: nB-Serie zur Landesausstellung und zum Themenjahr – Teil 2: Otto IV. als Begründer des modernen Europas

Von Ingeborg Obi-Preuß

Es geht um Robin Hood und um Ritter, um Kaiser, Könige, Kriege, um Macht und Einfluss. Und um die Liebe. Der Stoff, aus dem die Landesausstellung „Otto IV – Traum vom welfischen Kaisertum“ gemacht wird, hat Drehbuchpotenzial für einen Abenteuerfilm.

Nicht die Verherrlichung einer Einzelperson soll es werden – „die Tatsache allein, Welfe in Braunschweig gewesen zu sein, ist historisch nicht relevant“, erklärt Museumsdirektor Gerd Biegel als Projektleiter den „großen Wurf“: 1125 bis 1235, gut
100 Jahre Hochmittelalter, nehmen er und sein Team ins Visier, eine Zeit, die Braunschweig, Niedersachsen und Europa geprägt hat.
Drei Aspekte stellt Biegel in den Mittelpunkt der Ausstellung. Da geht es zum einen um die Frage, „warum kamen die Welfen überhaupt nach Braunschweig?“ Schließlich liegt die Heimat der Welfen in Bayern, Italien und Burgund. „Als Ottos Vater, Heinrich der Löwe, geboren wurde, verfügten die Welfen bereits über die Herzogtümer Bayern und Sachsen“, erklärt Biegel die Herrschaftskonzentration. Geschickte Heiratspolitik spielte dabei eine wesentliche Rolle. Es wurde versprochen, verhandelt, vererbt. Schließlich lag das Kernland der Welfen zwischen Braunschweig und Lüneburg. Der Besitz überlebte den Streit zwischen Welfen und Staufern, das Exil Heinrichs des Löwen in England und auch seinen Tod 1195. Sein Enkel, Otto das Kind, wurde 1235 mit dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg belehnt. „Damit kehrten die Welfen als Herzöge zu Braunschweig-Lüneburg in den Reichsfürstenstand zurück“, erklärt Biegel.
Die Oma liebte Otto
Der zweite Aspekt der Ausstellung liegt in der Person Otto IV. „Er galt lange Zeit als der vergessene Kaiser“, sagt Biegel, „die besondere Konstellation in seiner Person war verkannt.“ Denn bei der Frage, warum überhaupt Otto zur Königs- und Kaiserwahl stand, komme die europäische Karte ins Spiel. „Otto war nicht nur Sohn Heinrich des Löwen, sondern auch Enkel des Königs und der Königin von England“, sagt Biegel. Und die königliche Oma liebte und förderte ihren Enkel.
Die ganze Familie Heinrichs des Löwen war in England im Exil, Otto wurde von seinem Onkel, Richard Löwenherz, erzogen. „Diese persönliche Beziehung, plus die höfische Erziehung brachten es mit sich, dass in der politischen Diskussion um die Thronfolge Richard Löwenherz seinen Neffen Otto gegen die Staufer durchsetzte. „Löwenherz bot den Kölner Kaufleuten Steuer- und Handelsfreiheit für das englische Reich und kaufte so ihre Stimmen für Otto ein“, erklärt Biegel. Als Dank stiftete der den berühmten Dreikönigsschrein in Köln.
Der dritte Aspekt betrachtet die Wirkungsmächtigkeit Ottos, der 1208 so weit in der Defensive war, dass die Zukunft den Staufern gehört hätte. „Da kamen die Wittelsbacher aus Bayern zur Hilfe“, erzählt Biegel, „sie haben den Staufer ermordet.“ Der Weg für Otto war jetzt frei, am 11. November 1208 wurde er durch die Reichsfürsten in seinem Amt bestätigt.
Förderer der Kunst
Als Neffe und Verbündeter des Königshauses von England zog Otto 1214 mit in den Krieg gegen Frankreich – und verlor. Durch diese Niederlage musste England seine Festlandsbesitzungen aufgeben – ein großer Teil Frankreichs gehörte damals zum englischen Königreich – die Monarchie wurde geschwächt und auch Otto IV verlor an Macht. „Die Staufer treten wieder als Gegner auf“, erklärt Biegel. Ottos Rückzug auf Braunschweig bedeute aber nicht den Rückzug in die Einsamkeit, sagt Biegel. „Er residierte in Braunschweig, förderte die Zisterzienser, rief die Franziskaner in die Stadt und pflegte ein Mäzenatentum von hohem Rang.“
1125 bis 1235 – die gewählte Epoche sei nicht nur reizvoll, sondern auch national und international bedeutsam, sagt Biegel, „am Ende der damals eingeleiteten Entwicklungen steht das moderne Europa und unser heutiges Niedersachsen.“
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