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Der „Stille Stuhl“ für Rani und Kira

Rüdiger Probst ist seit 25 Jahren Dompteur

Von Ingeborg Obi-Preuß

Braunschweig. Einfach so wie immer – gut, klassisch, witzig, auf hohem Niveau: Zirkus Probst gastiert noch bis Mittwoch auf dem Schützenplatz. Die nB war nicht nur in der Vorstellung, sondern sprach auch mit Raubtierdompteur Rüdiger Probst.

„Rani und Kira – Aus!“ Mit donnernder Stimme ruft Rüdiger Probst zwei seiner Tiger zur Ordnung. Die Katzen gehorchen. Noch ein grollender Blick, dann wenden sie sich ab. Elegant, geschmeidig, majestätisch. Rani und Kira gehören zur Raubtiergruppe im Zirkus Probst.
Seit 15 Jahren ist Rüdiger Probst der Chef des Rudels, alle Tiger sind im Zirkus geboren, einige hat der Dompteur mit der Flasche aufgezogen. Dass Tierschützer immer wieder gegen Raubtierdressuren demonstrieren, kann er verstehen, aber es ärgert ihn auch. Sibirische Tiger würde es ohne den Zirkus gar nicht mehr geben, spricht der Zirkusmann vom Artenschutz, zeigt seine weitläufigen Außengehege und erzählt von der extra gebauten Raubtierhalle im Winterquartier in Staßfurth.
Seit 25 Jahren ist Rüdiger Probst Dompteur, angefangen hat er mit Bären, später kamen die Löwen. Aber seine große Liebe gehört den Tigern. Obwohl oder gerade, weil sie durchaus schwierig sind. „Vor allem die Weiber“, sagt der drahtige Mann. Und grinst. Sieben Weibchen hat er in der Gruppe, „ständig gibt es Gerangel und Gezank“, erzählt er. Da seien seine Männchen von einem anderen Schlag: „Die kriegen sich einmal richtig in die Wolle und dann ist die Sache geklärt“.
Rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr, ist der Mann für seine Katzen da. Lebenspartnerin Christina, die auch im Zirkus arbeitet, und die beiden kleinen Kinder müssen da schon mal warten. Unterstützung bekommt Probst von einem Tierpfleger, aber er selbst bleibt immer dran, hat seine Tiere ständig im Blick: Fressen sie genug? Sind die Zähne in Ordnung? Gibt es Stress in der Gruppe? Jede Kleinigkeit ist wichtig, mitunter lebenswichtig. Denn seine Schönheiten sind Wildtiere.
„Die Dressur hat sich sehr verändert“, blickt er auf Anfänge zurück, in denen mit Druck und Härte gearbeitet wurde, heute stehe die Psyche des Tieres im Mittelpunkt. „Ich arbeite im Grunde genauso wie jede Hundeschule“, erzählt der Herr der Tiger. Bei jungen Tieren beginne die Dressur mit einfachen Aufgaben wie Sitz, Platz, Komm’ oder Steh’.
Das Prinzip Belohnung funktioniere auch hier. „Die Tiere suchen Anerkennung, freuen sich über Lob und über Leckerchen“, erzählt Probst. Aber Tiger können auch anders, sagt der Dompteur, „sie sind launisch, manchmal bockig“. Seine „Strafeinheiten“ erinnern an Erziehungs-Lehrbücher: Missachten, allein lassen, oder – wenn es ganz dicke kommt – ab auf den „Stillen Stuhl.“ Der ist bei den Tigern ein Hocker und steht mitten in der Manege.
„Wir sind ein tolles Team“, sagt Rüdiger Probst, „nur über die Rangfolge, da müssen wir immer mal wieder neu verhandeln.“
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