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Der Ständchenempfänger fehlte

Etwa 100 Musiker brachten den Burgplatz nach John Cages Konzept „Musicircus“ zum Klingen.

Von André Pause, 16.06.2013.

Braunschweig. Stell dir vor, du wirst 75. Jemand gibt dir ein Ständchen. Doch du selbst möchtest es anscheinend gar nicht hören.

So geschehen gestern Mittag auf dem Burgplatz. Basierend auf dem „Musicircus“-Konzept des Komponisten und Experimentierers John Cage haben rund einhundert Mitwirkende vom Laien- bis zum Profimusiker der Städtischen Musikschule Braunschweig zu deren 75. Geburtstag klingende Glückwünsche übermittelt. Einen winzigen Haken hatte die Sache jedoch: „Von der Musikschule war niemand hier“, bestätigte Organisatorin Juliane Gaube von der Kontaktstelle Musik Region Braunschweig und fand das auch etwas schade.
Den Musikern und sonstigen interessierten Besuchern war das eher egal. Sie wollten durch gemeinsames Spiel zur gleichen Zeit am gleichen Ort spontan ein neues Werk schaffen. Percussion-Instrumente lagen an Tischen für jeden bereit, Geigen- und Saxofontöne gab es zwischenzeitlich von Spontangästen mit eigenen Instrumenten, das Blasorchester St. Cyriakus und das Drehorgel-Orchester spielten vor der Burg Dankwarderode, die Singing Kids aus Lehre sangen in Richtung Handwerkskammer Hits wie „Alles nur geklaut“ von den Prinzen, der Braunschweiger Singkreis stimmte vielkehlig Songs an, und der zehnte Jahrgang der IGS Franzsches Feld bewegte sich nach zweimonatigen Proben mit Lehrer Axel Huse auf den Spuren der Band Stomp und fabrizierte Musik mit Alltagsgegenständen: Bücher klappten, Bleistifte ratschten am Spiralblock und auf Pausenbrotboxen wurde getrommelt.
Heraus kam aus alldem ein bisweilen durchaus hörbares „Improvisorium“. Gut ergänzte sich vor allem das Duo Axel Uhde und Géza Gál mit den Trommlern der Kreismusikschule Peine, die unter anderem eine gelungene Reggaeversion des Ben-E.-King-Klassikers „Stand by me“ zum Besten gaben.
Auch wenn das Publikumsinteresse mit ‚überschaubar‘ noch am besten beschrieben ist, bleibt die Hoffnung, dass der Braunschweiger „Musicircus“ keine einmalige Sache war. Richtiger und wichtiger als jedes marketingverordnete „saufkaufshoppen“-Event ist diese Form von Kultur allemal.
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