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Der Schuhkauf als Eintrittskarte

Tim (Marco Knorz), Dora (Gaby Blum), Hubert (Kay Szacknys), Dany (Celine Lochmann) und Hanna (Franziska Traub) bei den Vorbereitungen zu ihrem Schuhgeschäftsrettungsevent „Schwanensee in Stützstrümpfen“. Foto: imagemoove

Der „Schwanensee in Stützstrümpfen“ feierte Premiere in der Komödie am Altstadtmarkt.

Von André Pause, 26.11.2014.

Braunschweig. Außergewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Maßnahmen – diese Binsenweisheit wurde mit der Premiere des Stückes „Schwanensee in Stützstrümpfen“ in der Komödie am Altstadtmarkt wieder einmal untermauert.

Zumindest ein bisschen. Denn dass traditionsreiche Einzelhandelsbetriebe, wie das fiktive Schuhgeschäft Bauer in dieser Produktion, vor dem Aus stehen, ist anno 2014 so außergewöhnlich leider nicht mehr. Die Verkäuferinnen Dora (Gaby Blum), Hanna (Franziska Traub) und Dany (Celine Lochmann) jedenfalls schwelgen zwischen Kassentresen, Pumps-Auslage und Schuhkartonregal in guten alten Zeiten, in denen noch der Senior das Zepter in der Hand hielt und nicht Erbfolger Hubert Bauer (Kay Szacknys), ein im Herzen guter, in der Sache eigentlich aber völlig ungeeigneter Chef, der sich lieber um Buddelschiffe kümmert als ums Geschäft, den alle – und das muss die Höchststrafe sein – Hubsi nennen.
Die Schieflage des Unternehmens, es sind einfach keine Kunden in Sicht, bringt die Damen dazu, über die Situation nachzudenken. Der Internethandel und das Braunschweiger Konsumschloss werden als Ursache der Misere ausgemacht, weniger erörtert und diskutiert als behauptet zwar, aber egal: Der Besucher erlebt rare politische Momente am Kleiner-Feigling-Verkäuferinnen-Stammtisch auf der Bühne der Komödie, an dem es davor und danach freilich wieder um das Reißen von Zoten geht. Manch einen ermüden die doch schon einige Male so oder so ähnlich vernommenen Doppeldeutigkeiten, unter anderem zu den Themen „Verkehr“ und „Stange“, andere schütten sich aus vor Lachen. Nun: Die Menschen sind verschieden, und allein altersbedingt unterschiedlich weit vom Gesetz des schnellen Vergessens entfernt.
Das U-50-Paar zu meiner Linken geht zur Pause. Es verpasst, wie Doras Sohn Tim (Marco Knorz), ein in Kürze arbeitsloser Profitänzer – ein weiteres Mal Realitätsnähe – seinen unkonventionellen Schuhgeschäftsrettungsplan in die Tat umsetzt: Die Verkäuferinnen sollen einen Ballettabend auf die Beine stellen. „Schwanensee in Stützstrümpfen“, ein Event, bei dem der Kassenbon als Eintrittskarte gilt. Bei Schuhkauf Tanz – das findet sogar Hubsi toll, und so zwängt sich am Ende die gesamte Belegschaft ins schneeweiße Tutu. Die von Regisseur Jan Bodinus vom Stück vor allem bildlich separierte Tanzaufführung ist aufgrund des zur Schau gestellten Dilettantismus recht putzig. Wie sich die Geschichte in der Folge entwickelt, hanebüchen selbstverständlich, wird von den Schauspielern dann am Schluss kurz erzählt.
Unter dem Strich gelingt der zweite Teil des knapp zweistündigen Abends deutlich flotter als der Erste. Schon deshalb hätte man in Betracht ziehen können, diesem auf Kosten der reichlich zerdehnten Hinführung vor der Pause mehr Raum zu geben.
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