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„Der richtige Rahmen für die eisernen Schuhnägel“

Auch Fragmente eines Kettenhemdes wurden am Harzhorn gefunden. Foto: Nielsen
 
Bezirksarchäologe Dr. Michael Geschwinde und Dr. Heike Pöppelmann, Direktorin des Landesmuseums, erklären, wie die Funde entdeckt wurden. Fotos: Daniela Nielsen

Das Landesmuseum präsentiert die spektakulären Funde von der Schlacht am Harzhorn im historischen Kontext.

Von Martina Jurk, 01.09.2013

Braunschweig. Wenige Zentimeter unter der Erdoberfläche schlummerte über 1700 Jahre lang ein Schatz, dessen Entdeckung sowohl als archäologische als auch als historische Sensation gilt: mehr als 2700 Fundstücke eines germanisch-römischen Schlachtfeldes am Harzhorn quasi vor den Toren Braunschweigs.

„So ein gut erhaltenes Schlachtfeld wie dieses im Harzvorland gibt es in der Archäologie selten. Die Funde liefern neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die politischen Zusammenhänge im dritten Jahrhundert nach Christi Geburt“, ordnet der Präsident des Landesamts für Denkmalpflege, Dr. Stefan Winghart ein.
2008 wurde die Fundstelle zufällig von Sondengängern entdeckt. Schnell war Experten klar, dass es sich bei den rostigen Teilen, die da gefunden wurden, um eine Schlacht zwischen Römern und Germanen handelte, die es eigentlich gar nicht geben konnte. Noch vor fünf Jahren war die Wissenschaft davon überzeugt, dass die Römer nach der vernichtenden Niederlage in der Varus-Schlacht im Jahre neun nach Christus keine militärischen Großaktionen in germanisches Territorium mehr wagten. Diese Geschichte muss nach dem „Jahrhundertfund“ am Harzhorn neu geschrieben werden. Die Geschehnisse des vergessenen Feldzugs werden nun erstmals erzählt, erstmals werden die Relikte des Schlachtfeldes am Harzhorn öffentlich gezeigt, und erstmals stehen der Soldatenkaiser Maximinus Thrax und ein Jahrzehnt bislang kaum erwähnter römischer Geschichte im Mittelpunkt.
Das alles will die Landesausstellung anschaulich vermitteln. Dr. Heike Pöppelmann, Direktorin des Braunschweigischen Landesmuseums und selbst Archäologin, hat daran maßgeblichen Anteil, dass das Projekt realisiert und nach zwei Jahren der Vorbereitung nun eröffnet werden konnte. „Ein ermordeter Kaiser, sein Nachfolger, ein römischer Rachefeldzug und ein germanischer Hinterhalt – danach leckt sich jede Museumsfrau die Finger“, sprüht sie vor Begeisterung fast über.
Sie überzeugte die niedersächsische Landesregierung, eine Phalanx von Stiftungen und viele weitere Unterstützer, mitzuziehen. Land und Stiftungen stellten insgesamt rund zwei Millionen Euro zur Verfügung. Davon flossen allein 200 000 Euro in die Forschung. „Die Arbeit der Forscher legte den Grundstein für die Landesausstellung“, sagte Dr. Kathrin Höltge vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur.
Auch Tobias Henkel, Direktor der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, musste nicht lange überredet werden. Er wünsche sich zwar, das Leuchten in den Augen der Archäologen beim Fund eiserner Schuhnägel in der Ausstellung zeigen zu können, aber das sei schlecht möglich. „Dafür können wir die Menschen für die Geschichte begeistern. Die Ausstellung gibt den eisernen Schuhnägeln den richtigen Rahmen“, so Henkel.
Rund 760 Exponate sind in einen geschichtlichen Kontext gestellt worden mit Unterstützung hochkarätiger Leihgaben aus 80 europäischen Museen und Sammlungen. Die Ausstellung ist in acht Kapitel gegliedert. Highlight ist die Rekonstruktion des Schlachtgeschehens via Projektion auf ein 3-D-Geländemodell des Harzhorns, entstanden in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Um die Fundstücke in repräsentativem Rahmen zu präsentieren, wurden im Landesmuseum die Sonderausstellungsräume in den ersten Stock verlegt und sehr ansprechend neu gestaltet.
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