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Der Löwe schoss den Vogel ab

Rund 30 muslimische Kinder zu Besuch im Dom – Glaube, Legende und viele Fragen.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 27.03.2013.

Braunschweig. Besuch im Dom, rund 30 muslimische Kinder hörten aufmerksam zu, doch dann musste eine offensichtlich wichtige Frage raus: „Stimmt es, dass ein Löwe an der Tür gekratzt hat?“ Domsekretär Marc Bühner zeigte zum Beweis auf Kratzspuren an der Außenwand. Staunen.

„Das Osterfest hat im muslimischen Glauben zwar keine Bedeutung“, sagte Najla Hawi vom Vorstand des Deutschsprachigen Muslimkreises Braunschweig, „aber es sind Ferien, und wir bieten ein Programm an für all die Kinder, die nicht wegfahren.“ Domprediger Joachim Hempel begrüßte die Gäste, der Kontakt zur Moschee an der Reichsstraße ist seit vielen Jahren eng und herzlich.
Najla Hawi hatte die Kinder begleitet, die Acht- bis Zwölfjährigen waren ziemlich gut informiert. „Obwohl wir sie nicht extra vorbereitet haben“, sagte Hawi.
Viele Fragen stellten die Mädchen und Jungen, Gunhild Salbert vom Dom-Kirchenvorstand, Annette Landwehr von der Domführer-Gilde und Domsekretär Marc Bühner verteilten die Kinder auf kleine Gruppen und nahmen sie mit quer durch den Dom, tief in die Unterkirche und in die Welt von Glaube und Legende.
In der Gruft vor den Särgen des Herrscherpaares lauschten die Kinder fasziniert der Geschichte, dass im dritten Sarg der besagte Löwe liegen soll, der zuvor an der Tür gekratzt hatte. „Nach dem Tod Heinrichs des Löwen ist er vor Trauer gestorben“, sagte der Domsekretär, „und schließlich zu Füßen seines Herren begraben worden.“ Wieder großes Staunen. „So weit die Legende“, schränkte Bühner ein,, „die Wissenschaft sagt etwa anderes“. Aber „wir sind ja in der Kirche“, fügte er lächelnd an, „ihr könnt jetzt glauben, was ihr möchtet.“ Da hatte der Löwe eindeutig die Nase vorn. Die Kratzspuren an der Kirchentür hatten ihre Spuren hinterlassen.
„Habt ihr eigentlich auch einen Vorbeter“, wollte ein Mädchen wissen. „Klar“, sagte Bühner, „das ist bei uns der Pastor.“
Immer mehr Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Kirche und Moschee entdeckten die Kinder, stellten Fragen, machten Bemerkungen. „Ich finde es besser, dass bei uns Teppiche liegen“, stellte ein Schüler fest. Der Kirchenbau konnte vor allem mit der Orgel punkten. Nach der Erklärung allerdings, um was es sich bei Reliquien handele – „Blut, Knochen, Haare, Zähne“ – erntete Marc Bühner nur noch ein einstimmiges „Iiigittt“.
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