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Der Kampf um Kindheit

Tiffany (Anja Signitzer) hat die drei Räuber (von links Martin Winkelmann, Nina El Karsheh, Ravi Marcel Büttke) längst im Griff. Sie tanzen nach ihrem Kommando. Fotos: Volker Beinhorn

„Die drei Räuber“ – Erstklassiges Stück hatte gestern Premiere.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 22.02.2014.

Braunschweig. Zeitreise: Regisseurin Juliane Kann hat den Kinderbuchklassiker „Die drei Räuber“ aus den 60ern fit gemacht für das 21. Jahrhundert.

Zwar ist der Stoff bereits 2007 für einen Film sanft entstaubt worden, doch das Staatstheater-Team hat zum 30. Geburtstag des Kinder- und Jugendtheaters noch einen draufgesetzt: Eine außerordentlich bildreiche Körpersprache mit Elementen aus Pantomime, Slapstick, Comic und Akrobatik, gepaart mit großem klassischem Ausdrucksvermögen der Schauspieler, machen diese Inszenierung zu einem Spaß für die Kleinen und einem Fest für die Großen.
Das ist Theater von seiner besten Seite, zum Brüllen komisch, dabei behutsam, sorgfältig und liebevoll in Szene gesetzt. Ein Meisterwerk.
Genau wie die Vorlage. Das Buch von Tomi Ungerer wurde in 23 Sprachen übersetzt und ist in der ganzen Welt bekannt. Der Autor wurde selbst mit vier Jahren Halbwaise, sein Vater starb an einer Blutvergiftung.
Im Mittelpunkt der Geschichte „Die drei Räuber“ steht das Waisenmädchen Tiffany (Anja Signitzer), die auf ihrer Flucht vor dem Waisenhaus und der darin herrschenden schrecklichen und zuckersüchtigen Tante (Alisa Levin) sich den möchtegernbösen Räubern geradezu aufdrängt. Denn auch die sind Waisenkinder, eigentlich herzensgut und selten dusselig. Tiffany bindet ihnen einen Bären auf, sie sei die Tochter eines reichen Maharadscha und für sie könnten die Räuber jede Menge „Lösegold“ bekommen.
Am Ende ist die böse Tante vertrieben, die versklavten Kinder befreit und die Räuber und Tiffany dicke Freunde. Es-war-einmal-Märchen müssen so enden. Zum Glück.
Anfangs wird die Geschichte wie ein Stummfilm auf die Bühne gebracht, Arne Frederik Ziegfeld am Klavier spielt fast eine Hauptrolle, so cool ist die Musik in diesem Stück. Da gibt es Beatbox-Elemente, Töne wie aus einem Computerspiel, es knarzt, faucht, knirscht und knackt.
Das Schauspielensemble – Alisa Levin, Anja Signitzer, Luis Lüps, Nina El Karsheh, Ravi Marcel Büttke und Martin Winkelmann sind ein starkes Team. Zum Teil umwerfend komisch, die Szene beispielsweise, in der Räuber Jakob (Martin Winkelmann) das Wort Maharadscha buchstabiert ist einfach genial.
Neben dieser Frische, der Modernität, dem Witz und der Kurzweiligkeit ist es dem Regieteam gelungen, die vertraute Geschichte zu bewahren, die Verletzlichkeit der kindlichen Seele zu zeigen.
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