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Der jazzende Rechenkünstler

Helge Schneider unterhielt mit seiner Band die Besucher in der ausverkauften Stadthalle.

Von André Pause, 16.10.2011

Braunschweig. „Hier vorne ist ja ein Platz frei. Das ist ein finanzielles Fiasko für mich“, sinnierte Helge Schneider am gestrigen Abend in der Stadthalle. Stilmittel Übertreibung, denn die Show war seit Wochen ausverkauft.

Der Mann ist beliebt, kein Zweifel. Und wer ihn auf der Bühne erlebt, weiß auch warum: Schneider ist Künstler und Gesamtkunstwerk in einem; ein virtuoser Jazzer mit dem Hang zum intelligenten drauflosblödeln und einer Vorliebe für zu knapp geratene Anzüge der Kategorie Retro.
Los legen er und seine drei Mitmusiker – Sandro Giampioetro an der E-Gitarre, Willi Ketzer am Schlagzeug sowie Rudi „Contra“ Olbrich am Bass – mit dem Klassiker „Texas“, den der Mühlheimer Multiinstrumentalist mit Fragmenten anderer Songs als Medley darbietet. Seine Songs, die albern und gaga daherkommen mögen, oft aber genialische Züge aufweisen moderiert die „singende Herrentorte“ (selbstgewählter Beiname) zum Teil herrlich ausufernd an. Seinen Bassisten Olbrich, dessen biblisches Alter der Running Gag des Abends ist, zieht er dabei immer wieder auf, und auch Bühnen-Teekoch Bodo Oesterling, muss sich einiges anhören.
Schneider philosophiert über das Fernsehprogramm und bringt diesbezüglich, nicht wirklich versteckt, Kritik an. Klar, seit er auch eine Glotze hat, kann er mitreden: über Brustverlängerungen („mit örtlicher Betäubung – der ganze Ort ist betäubt“), Tiere („niemals das Bein in einen Löwenkäfig halten, der nimmt sich das. Dann hat er fünf und sie haben eins“) und Fettabsaugen („danach nimmt der Mann seine bessere Hälfte mit nach Hause“) vor Kameras. Er schafft brillant durchgeknallte Überleitungen wie diese zum Lied „Fitze Fitze Fatze“: „Wenn Viktoria Beckham Vater wird, oder die Merkel...ach, die ist ja schon Vater. Rösler ist sein Sohn. Der ist Vizevizekanzler.“ Und schließlich, allem Slapstick zum Trotz, machen er und seine drei musikalischen Mitstreiter einfach fantastische Jazzmusik. Nach einer guten Stunde fragt Schneider: „Wollen wir nicht eine Pause machen?“ Nur um gleich noch ein Bluesstück anzustimmen. Starker Applaus, dann ist wirklich Pause, und leider auch Redaktionsschluss.
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