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„Der ideale Ort für diese Geschichte“

Die „West Side Story“ hat heute Abend Premiere: Regisseur Philipp Kochheim beim Interview in der Burgplatzarena. Im Hintergrund trainiert Sigalit Feig, eine der mehr als 20 Musicaldarsteller. Foto: Susanne Hübner

Leonard Bernsteins „West Side Story“ hat heute Abend auf dem Burgplatz Premiere – Gespräch mit dem Regisseur Philipp Kochheim.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 06.07.2014.
Braunschweig. Die „West Side Story“ – ein Musical auf dem Burgplatz. Das manche darüber die Nase rümpfen, trägt Philipp Kochheim mit Fassung. „Für mich gibt es keine Unterteilung in U und E“, sagt der Operndirektor, „für mich gibt es nur gute oder schlechte Stücke.“ Und die „West Side Story“ gehört für ihn eindeutig in die Top Ten der Theaterliga.

Seit gut einem Jahr verantwortet Kochheim die Opernsparte am Staatstheater, und seit gut einem Jahr bewegt ihn auch die Umsetzung der „West Side Story“ für Braunschweig.
Die Idee kam ihm gleich beim ersten Besuch auf dem Burgplatz. „Was sonst“, schoss es ihm durch den Kopf. „Was sonst passt hier so gut her? Hier, wo sich die Straßen kreuzen, mitten in der City“, beschreibt der Regisseur beim Gespräch in „seiner“ Arena die Gedanken von damals. „Zwei Straßengangs im Herzen der Stadt, der ideale Ort – das liegt doch auf der Hand“, fährt er fort. Und selbst mögliche Geräusche wie jubelnde Fußball-Fans oder Polizeisirenen würden in diesem Jahr geradezu perfekt zur Inszenierung passen.
Den letzten Sommerurlaub hat Kochheim in New York verbracht. „Von meinem Hotelzimmer aus konnte ich über die Dächer Manhattans blicken“, erzählt er. Ganze Parklandschaften und Gärten hat er entdeckt, Menschen in den verschiedenen Lebens- und Liebeslagen. Eine eigene Welt auf dem Dach. Und die steht jetzt auf dem Burgplatz. Aus Kochheims Perspektive: In einem Zehn-Seiten-Essay hat er aufgeschrieben, was er sieht, fühlt, was ihm wichtig ist, was der Ort können muss.
Mit Barbara Bloch hat er diese Ideen dann nach und nach zum Leben erweckt; die Bühnenbildnerin und er sind seit mindestens zehn Jahren ein festes Gespann. Planen gemeinsam bis in das letzte Klein-Klein: hier noch Zitronenmelisse, dort eine Kohlpflanze, den Wassertank etwas höher, das Werbeschild tiefer ...
Und dann kommt ein Riesenlob an die Werkstätten: „Es ist wirklich eine meiner eindrucksvollsten Erfahrungen an diesem Haus, dass die Visionen, die ich habe, auch handwerklich umgesetzt werden können.“
Und diese Visionen sind mitunter extrem detailliert. So fiel sein Blick immer wieder auf eine bestimmte Requisite – einen Ablufttrichter, realgetreu und rostig gestrichen. „Aber unten am Rand war er ganz sauber, das passt doch nicht“, sagt Kochheim. Also haben seine Leute nachgebessert. Und der Chef ist zufrieden.
Kochheim stellt die Original-Broadway-Produktion von Leonhard Bernsteins „West Side Story“ in einer deutschen Fassung auf die Bühne. Die Liedtexte bleiben in Englisch.
„Als Regisseur testet man schon ein wenig aus, wo Veränderungen möglich sind, aber in diesem Werk stimmt einfach jeder Moment“, sagt Kochheim, der sich deshalb sehr bemüht habe, historisch korrekt zu bleiben. „Es wäre geradezu albern, die rivalisierenden Jugendbanden nach Neukölln zu verlagern“, sagt er, Bernsteins Musik sei eindeutig: auf der einen Seite Rock und Jazz, auf der anderen Latino-Rhythmen: Amerika und Puerto Rico. Danach hat Kochheim auch das Ensemble zusammengestellt. „Wir haben ein Jahr lang gecastet“, erzählt Kochheim, denn die Anforderungen an die Musicaldarsteller sind enorm hoch. „Es ist eine ganz besondere, schöne Truppe“, schwärmt der Regisseur und bescheinigt den Darstellern aus aller Welt eine „ganz hohe Professionalität.“ Ständig würde geübt, er spüre enormen Ehrgeiz und eine große Ernsthaftigkeit.
Mit seinem Choreografen Alonso Barros ist er ebenso vertraut wie mit seiner Bühnenbildnerin. Dazu kommt noch sein Choreograf Christian Steinbock – eine eingeschworene Gemeinschaft, die ähnlich ticken das gleiche wollen, an einem Strang ziehen.
Alles läuft gut – bis hierher. „Jetzt hoffe ich noch auf das Wetter“, sagt Kochheim. Und auf eine gelungene Premiere. Allerdings wird er nicht dabei sein. „Ich werde durch die Straßen ziehen und warten. Ich bin bei meinen Premieren nie dabei, ich schaue mir meine Arbeiten nach der Generalprobe nie wieder an“, sagt er. „Ich spüre, ob ich mit der Inszenierung da angekommen bin, wo ich hinwollte.“
Für die „West Side Story“ verrät er das nicht, aber es scheint, als sei der Regisseur mit dem Ergebnis zufrieden. Heute Abend wissen wir mehr ...
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