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Der Himmel hat lauter Risse

Es fehlen noch 25 000 Euro, um die mittelalterlichen Wandmalereien im Dom zu retten

Von Marion Korth, 10.03.2010

Braunschweig. Bei ihrer Arbeit ist Restauratorin Anja Stadler dem Himmel ein Stück näher. Mehr als 13 Meter über dem Boden, ganz oben in der Vierung des Doms untersucht sie die Darstellung des himmlischen Jerusalems. Der Putz sitzt zum Teil locker, die mittelalterlichen Wandmalereien sind in Gefahr.

Domprediger Joachim Hempel ist froh, dass der Spendenaufruf, um sie der Nachwelt zu erhalten, nicht ungehört verhallt ist. Benötigt werden 50 000 Euro, um die Bauarbeiten an den Malereien nahtlos fortführen zu können. In zwei Wochen sind 25 000 Euro zusammengekommen. Schirmherren sind Ministerpräsident Christian Wulff und Landesbischof Dr. Friedrich Weber. In Braunschweig werben auch Handwerkskammerpräsident Hans-Georg Sander und IHK-Präsident Dr. Wolf-Michael Schmid um Spenden für die mit 800 Quadratmetern Fläche größten Wandmalereien Deutschlands.
Derzeit läuft der dritte und aufwändigste Bauabschnitt, ein vierter folgt. Um an die Malereien im Gewölbe heranzukommen, ist ein riesiges Gerüst aufgebaut worden. Das allein kostet 30 000 Euro. Hempel hofft, dass es gelingt, Untersuchung und Konservierung in einem Zug weiterzubringen, ohne das Gerüst ab- und später wieder teuer aufbauen zu müssen. „Es ist schon Wunder genug, dass das Gewölbe den Krieg überdauert hat, es wäre sträflich, jetzt nichts zu tun“, sagt er.
Im weißen Kittel und mit Stethoskop am Ohr sieht Restauratorin Anja Stadler aus wie eine Ärztin. Quadratzentimeter um Quadratzentimeter klopft sie sich voran, horcht nach Hohlstellen unterm Putz. In digitalen Bildern entsteht eine Landkarte der Schäden im Maßstab eins zu eins. Grundlage auch für spätere Arbeiten. Ende des Monates will sie die Bestandsaufnahme abschließen und dann eine Prioritätenliste aufstellen, nach der die Schäden behoben werden sollen. Die Risse im Putz sind dabei sogar von Vorteil: Durch sie können eine neue Trägermasse gespritzt und Hohlräume ausgefüllt werden. Eine Reinigung ist nicht vorgesehen. Der Staub der Jahrhunderte bleibt als Patina bestehen, nur Spinnweben werden abgesaugt .
Auf Augenhöhe mit den Malereien sieht Stadler nicht nur Risse, sondern auch Besonderheiten: Ein Maler hat sich hier namentlich verewigt – „Thowald“ steht da deutlich zu lesen. An anderer Stelle wurde schon einmal stümperhaft geflickt. Für Handwerkskammerpräsident Sander ein klarer Fall von „Pfusch am Bau“.
Den soll es diesmal nicht geben. 68 000 Euro wurden zur Rettung der Malereien schon ausgegeben, 76 000 Euro stehen für weitere Arbeiten zur Verfügung. Die angestrebte Spendensumme von 50 000 Euro wäre der perfekte „Lückenschluss“.
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