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Der Dompteur im Politik-Zirkus macht Tempo und Atemnot

Kabarettist Mathias Richling gab Kurt Beck, Angela Merkel und Gregor Gysi im Großen Haus

Von Sebastian Walther

Braunschweig. Der Mann redet schneller als andere atmen. Vor fast ausverkauften Rängen im Großen Haus stutzte Mathias Richling am Montag Abend, präsentiert von der nB, die Berliner Politikprominenz auf Normalmaß zurecht.

Richling spricht ununterbrochen. Auch während er seine Kleidung wechselt, das Bühnenbild umstellt oder wenig später Gartenzwerge über die Bühne trägt. Irgendwann liegt er rücklings in einer Schubkarre und philosophiert dabei über Sterbehilfe.
Erst als Wirtschaftsminister Michael Glos kommt der Schwabe zur Ruhe und nickt über seine inhaltslosen Phrasen ein.
Das Publikum tobt und der schlacksige Brillenträger schlägt vor Freude die feingliedrigen Finger zusammen.
Es sind nur jene kurzen, sekundenlangen Momente, ehe er bereits weiter hetzt, getrieben vermutlich vom nimmermüden Politikzirkus, in denen Richling er selbst ist.
Noch bevor das Licht im Staatstheater erlischt, begrüßt er seine Gäste mit einer Durchsage aus dem Off.
Fast schon schneller als der Scheinwerfer nimmt er die Bühne in Beschlag, hält sich nicht lange auf mit einer Begrüßung und dann galoppiert er bereits über die Themenfelder der Welt: Olympia („War das nicht schön?“), SPD („Gibt‘s die noch?“) oder Margot Honecker („Die Kandidatin der Linken als Bundespräsidentin“).
Ein paar Kusshände für das Publikum und weiter geht es als Kurt Beck, Ulla Schmidt oder natürlich Angela Merkel, die er wenig später in ein Zwiegespräch mit Sigmund Freud schickt.
Sie alle persifliert er, in dem er sie schlicht abbildet. Manche seiner Sätze, so erschreckend das ist, könnten direkt aus der „Tagesschau“ stammen. Richling führt seine Opfer vor und muss sie dafür nur minimal überzeichnen. Den Rest erledigen sie schon selbst, scheint er damit zu sagen.
Inhaltlich gibt er einen perfekten Oskar Lafontaine, der da auf einem Eimer über linke und rechte Flügel schwadroniert.
Sein Gregor Gysi lugt kaum sichtbar hinter der Mauer hervor, und als Übermutter Ursula von der Leyen geht er gar auf die Knie. Es ist seine Art, dem Ärger Luft zu machen, denn Richling leidet, das macht ihn so gut.
Am Ende wird der umtriebige Kabarettist dann noch zum Wissenschaftler.
Nach der Relativitätstheorie wird sich der Bundestag letztlich in ein Schwarzes Loch verwandeln, rechnet er vor.
Es ist dem Polit-Profi nicht zu wünschen, dass ihm eines Tages die Vorlagen ausgehen.
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