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Der Dom, wie ihn der Kaiser sah

Übergang zur Probe geöffnet – Durch diese Tür gingen einst die Herrscher zur heiligen Messe

Von Marion Korth

Braunschweig. Domprediger Joachim Hempel hatte einen „wirklich historischen Augenblick“ angekündigt. Am Montag öffneten er von der Domseite und Professor Dr. Jochen Luckhardt von der Burgseite her die schwere Holztür zum sonst verschlossenen Verbindungsgang. „Hallo, lieber Nachbar“, begrüßten sie sich gegenseitig.

Drei Stunden lang hatten die Braunschweiger am Abend erste Gelegenheit, auf den Spuren Ottos oder auch Heinrichs des Löwen zu gehen, denn im Mittelalter hatten die Herrscher stets diesen Weg durch das Querhaus gewählt. Über Jahrhunderte war der Gang in der Folgezeit dann verschlossen gewesen – bis auf wenige Ausnahmen. Mit der Eröffnung der Landesausstellung am 8. August soll dieser Ausnahmezustand Alltag werden.
Vom Dom aus gesehen war die Tür bislang in unerreichbarer Höhe: 4,80 Meter „schwebt“ sie über dem Boden. Empore und steinerne Treppe, wie es sie im Mittelalter gegeben hat, ersetzt nun eine moderne Treppenkonstruktion aus Stahl und Glas. Die Kosten von 70 000 Euro haben die Domstiftung und das Herzog-Anton-Ulrich-Museum, das die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz zur Unterstützung gewinnen konnte, unter sich aufgeteilt.
„Jetzt können wir zeigen, wie es im Mittelalter war“, sagte Hempel. Der Besucher erblickt den Dom oben von der Tür aus einer völlig anderen Perspektive und erlebt, wie Wand- und Deckenmalerei sowie die Formensprache der Architektur sich in diesem Bereich verdichten. „Die eigentliche Bedeutung des Doms liegt hier“, betonte Hempel.
Die Tür ist sozusagen eine der Schlüsselpositionen, um den Geist des Doms zu verstehen. Und sie ist die Schnittstelle zwischen weltlichem und religiösen Zentrum. Während der Landesausstellung werden die Besucher über die „Einbahnstraße“ Vieweghaus und Burg hinüber in den Dom geleitet. Der Zugang von beiden Seiten soll danach aber möglich gemacht werden. Das allerdings muss noch geregelt werden, da in der Burg Eintritt erhoben wird, im Dom aber nicht. Für den heutigen „Burgherren“ Dr. Jochen Luckhardt macht die Öffnung der Tür in jedem Fall Sinn: „Wir sind eine Art Schatzkammer für den Dom, bergen den Reliquienschatz, aber auch viele andere Sachen, die zum Dom oder dem Dom gehören.“
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