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Der deutsch-französische Biss

Beeindruckend und umwerfend komisch: Uwe Steimle (rechts) und Alfons. Foto: Ammerpohl

Uwe Steimle und Alfons begeistern mit gemeinsamem Kabarettprogramm bei „Kultur im Zelt“.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 22.09.2013

Braunschweig. „Ein Franzose und ein Sachse erklären uns die Welt” heißt das Programm. Der Sachse Uwe Steimle und der Franzose Alfons lieferten bei „Kultur im Zelt“ eine messerscharfe Analyse des bundesdeutschen Ist-Zustandes und der deutsch-französischen Freundschaft ab.

Das riesige Puschelmikrofon fehlte, mit dem Alfons, der Wahlhamburger aus Frankreich, seine scheinbar harmlosen Fragen stellt und auf Märkten oder in Fußgängerzonen die unglaublichsten Antworten bekommt. Gemeinsam mit Uwe Steimle, vor allem bekannt durch seine Rolle als Hauptkommissar Uwe Hinrichs im „Polizeiruf 110“, warf er sich im ausverkauften Kulturzelt die Bälle zu, aus denen jeder der beiden Topkabarettisten seine ganz eigene Show machte.
Uwe Steimle – politisch, trocken und unglaublich gut informiert – war ziemlich auf Krawall gebürstet. „Fourschbar“ ist für den hörbar aus Sachsen stammenden Steimle so ziemlich alles, vor allem die Politiker im aktuellen Wahlkampf. Die Pointen sind scharf. Und manchmal gibt es auch gar keine: „Wer U-Boote nach Israel und gleichzeitig Panzer nach Saudi Arabien liefert, dem ist doch alles zuzutrauen“, wirft er der Regierung Merkel Kriegstreiberei vor.
„Fourschbar“ sind für Steimle auch die Forderungen nach Ganztagsschulen, Schulessen oder kostenfreien Kitas. „Das gab es doch alles schon mal“, erinnert er daran, dass diese Einrichtungen nach der Wende in Ostdeutschland geschlossen und zerschlagen wurden. Er erzählt von Lehrern aus Ostdeutschland, die sich jetzt auf Fortbildungsreisen in Norwegen anschauen müssen, wie so etwas funktioniert: „Wenn ich mir das alles anhöre, da bin doch froh, dass sie uns ´89 die Waffen abgenommen haben.“
Alfons kommt ein wenig weicher daher, aber genauso spitzfindig. Er macht sich auf charmante Weise lustig über vermeintlich typisch deutsche Verhaltensweisen. „In Deutschland bleiben Menschen an einer roten Ampel stehen“, stellt er fest, „auch wenn da seit 14 Tagen kein Auto kam. Eine Verkehrsregel ist eben eine Verkehrsregel.“ Franzosen würden eine rote Ampel eher als Vorschlag werten. „Ich weiß gar nicht, warum die Deutschen damals eine Mauer durch Berlin gebaut haben“, fügt er hinzu, „eine rote Ampel hätte gereicht.“
Der Saal tobt, ohne Zugaben können die beiden nicht weg. Alfons spielt eine seiner berühmten Umfragen ein, Uwe Steimle hält eine aktualisierte Honecker-Rede. Mit kippender Altmännerstimme und zitternder Unterlippe. Grandios. (Er verrät noch, dass er gerade erfahren hat, dass er die Hauptrolle in einem Film über Erich Honecker spielen wird, der ab 2015 in die Kinos kommen soll.) Einen besseren hätte die Filmcrew sicher nicht finden können.

Fakten
Seit 15 Jahren gibt es „Kultur im Zelt“ im Bürgerpark. „Wir haben dieses Jahr im Vergleich zum Vorjahr noch einmal 6000 Karten mehr verkauft“, freut sich Festivalchefin Beate Wiedemann, „wir hielten eine weitere Steigerung gar nicht mehr für möglich.“ Rund 36 000 Menschen haben eine der 30 Veranstaltungen besucht. „An 20 Abenden waren wir ausverkauft“, sagt Wiedemann, „für die anderen Vorstellungen gab es nur ganz noch wenige Restkarten.“
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