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Der alte Fuchs bittet zum Dirigat

Wenn das Staatsorchester ruft, kommt Helmut Imig gerne nach Braunschweig. Foto: André Pause

28. Filmfestival eröffnet am 11. November mit Filmkonzert zu Disneys „Alice im Wunderland“.

Von André Pause, 05.11.2014. Braunschweig.

Wenn am kommenden Dienstag das 28. Internationale Filmfestival beginnt, ist der Fokus auch auf die Musik gerichtet. Das Staatsstorchester Braunschweig spielt in der VW-Halle (20 Uhr) unter der Leitung von Helmut Imig „Alice im Wunderland – Disney in Concert“.

Der Film mit orchestraler Begleitung ist eine deutsche Erstaufführung. Zu diesem feierlichen Anlass wird die Location optisch für einen Abend in ein gemütliches Lichtspielhaus umdekoriert, verrät Staatstheater-Orchesterinspektor Martin Wiese vorab.

Nach „Blancanieves“ im vergangenen Jahr – der Pablo-Berger-Film wurde damals noch in der Stadthalle gezeigt – ist „Alice“ die zweite Arbeit dieser Art. Allerdings ist die charmant-schrullige Lewis-Carroll-Adaption von US-Regisseur Tim Burton die erste Tonfilmvorführung in diesem Kontext. Ein Umstand, der den Ortswechsel zur höchstens zweitgrößten Herausforderung macht.
Das Leinwandgeschehen werde musikalisch heruntergepegelt, berichtet Helmut Imig im Gespräch: „Ganz stumm ist der Film natürlich nicht. Der Zuschauer hat von oben den Sound, die Sprach- und Geräuschebene, und wir sind unten. Im Gegensatz zum Stummfilm, der einem unter anderem in Bezug auf das Timing sehr viel mehr Kreativität lässt, ist das nun ein mit sehr vielen Befehlen von oben ausgestatteter Film. Ich muss gehorchen, was bedeutet, dass das Orchester auch gehorchen muss. Und ich bin der Einzige, der einen Click (Taktvorgabe im Ohr) hat. Ich werde das mit Click dirigieren, denn es kommt vom Film ausgehend fast immer ein vorgefertigtes Timing.“

Schrecken tue ihn diese Arbeitsweise nicht. Auch wenn er klarstellt, dass er die kreative Freiheit beim Stummfilm schon etwas mehr liebt. „Ich bin aber ein alter Fuchs. Mir gelingt es auch bei diesen Sachen, mal nicht zu gehorchen. Ich bin egoistisch genug, zu denken, dass man es immer noch besser machen kann.“ Deshalb wird Imig letztlich wohl geheuert, gilt er doch als Spezialist für diese Branche. „Die Orchester holen mich immer nur, wenn es schwer und brenzlig wird“, lacht der in Essen lebende Dirigent. In Braunschweig muss er Kinderchor, Chor und Orchester unter einen Hut bringen – insgesamt sind etwa 100 Leute dabei. Was ganz nebenbei auch für die externen Akustiker erhöhten Schwierigkeitsgrad bedeute.

Dass diese, was die Entstehung anbelangt, recht spontane Arbeit („das können Sie ruhig wörtlich nehmen“) überhaupt möglich ist, findet Imig jedoch toll. Disney interessiere sich sonst gar nicht für Braunschweig, bevorzuge eher große Konzerthallen wie die in München oder Baden-Baden. „Normalerweise geben die so etwas nicht aus der Hand, machen in der Regel alles selber. Da kommen sogar die Akustiker von denen, weil die genau wissen, was im Einzelfall gemacht werden muss. Jetzt geben sie mir nicht nur die Produktion in die Hand, sondern holen mir auch noch ein Orchester“, schmunzelt Imig, der das Engagement von Orchesterdirektor Martin Weller hervorhebt („Ein wirklich begeisterungsfähiger Mann“).

Überhaupt gehöre das Staatsorchester zu seinen Lieblingsorchestern, was sowohl mit der Qualität an sich, als auch mit dem ihm entgegengebrachten künstlerischen Verständnis zusammenhänge. „Das kenne ich sonst fast nur vom Babelsberger Filmorchester, die das natürlich dauernd machen, oder den Dresdner Philharmonikern“, lobhudelt der Mann, der 30 Jahre lang ausschließlich Opern dirigiert hat und nun auch ein Verknüpfer ist, der, wenn schon nicht verschiedene Welten, so zumindest verschiedene Zeitebenen zusammenbringt. Es reize ihn, diese miteinander zu vergleichen und in Einklang zu bringen. Sie zu erleben, zu synchronisieren, damit zu spielen. „Die Synchronität entsteht im Augenblick des Konzerts vor den Augen und für die Ohren der Zuschauer“, schwärmt Imig. Das sei mit der Musik aus der Filmkonserve nicht vergleichbar. Letztlich werde beim Filmkonzert die musikalische Farbe des Films durch die Orchesterleistung verliehen, durch das Gefühl der Musiker für Dynamik und Emotion.
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