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Denken in Headlines und Aufhängern

Kay-Uwe Rohn und Malte Schumacher (v.l.) haben die erste Bundesliga-Saison nach 28 Jahren aus ihrem jeweiligen Blickwinkel begleitet. Foto: André Pause

Malte Schumacher und Kay-Uwe Rohn haben ihr Buch „Für die 1. Liga – BTSV“ veröffentlicht.

Von André Pause, 13.09.2014.
Braunschweig. Das glaubt dem Journalisten ja immer keiner: Soll nach einer Veranstaltung Bericht erstattet werden, ist die Rezeption einer Veranstaltung mit all ihren kleinen und großen Ereignissen eine andere. Streng der Dokumentation verpflichtet, bleibt der unbeschwerte Genuss schon mal auf der Strecke. Da unterscheidet einen Theaterbesuch wenig von einem Fußball-Spiel.

Kay-Uwe Rohn und Malte Schumacher haben diese Erfahrung gemacht. Die erste Bundesligasaison (2013/14) der Braunschweiger Eintracht nach 28 Jahren Abstinenz haben sie – jeder für sich, Spieltag für Spieltag – verschriftlicht, und das Ergebnis in binärer Struktur jetzt im Braunschweiger Appelhans-Verlag veröffentlicht. Angelehnt ist das Konzept ihres Buches „Für die 1. Liga – BTSV“ an das von Tim Parks „A Season with Verona“ (2001). Anders als der britische Schriftsteller haben sich Schumacher und Rohn jedoch nicht auf die Heimspiele beschränkt, sondern auch die Auswärtsbegegnungen in anekdotenhaft subjektive Miniaturformen gegossen. Beim Zweitliga-Heimspiel gegen den VfL Bochum wurde das Werk medienwirksam (Sky, NDR und so weiter) vorgestellt. Und da habe sich, bei aller Euphorie und Freude über die erlebte Bundesliga-Spielzeit bei beiden eben auch ein wenig Erleichterung breitgemacht. „Ich wusste, da das Projekt abgeschlossen ist, ich muss a) nicht gleich nach der Partie nach Hause und schreiben, und ich musste mir b) auch nicht überlegen, was nun die Geschichte wird“, beschreibt Schumacher, der mit dem Herrn Papa und ein paar anderen Fußball-Jungs aus seinem Heimatort Adersheim schon in den 70er Jahren zu Spielen an der Hamburger Straße gefahren ist.
Auch Kay-Uwe Rohn brauchte nun nicht mehr an oder in Headlines beziehungsweise Aufhängern denken. Er ist derjenige im Autorentandem, der die Historie – als Klubgeschichte oder ganz allgemein – stärker in seine Geschichten einfließen lässt. Das kann er, weil er – Jahrgang 1957 – die Einführung der Bundesliga mit dem Gründungsmitglied Eintracht Braunschweig und damit die Meisterschaft 1967 live miterlebt hat. „Eintracht war für mich Vater-Sohn-Zeit. Wir haben damals am Rebenring gewohnt, und sind in den 60ern immer zu Fuß durch die Spargelstraße zum Fußball gegangen. Das waren richtige Familiensamstage. Bei unserer Rückkehr hat meine Mutter immer ganz klassisch Mettbrötchen gemacht, und dann gab es die Sportschau“, erinnert sich der heutige Berater für Identität und Strategie, der einige Spiele der Meistersaison hinter der Eckfahne liegend verfolgt hat, und dem neben der Übergabe der Schale an Achim Bäse auch die Europacup-Spiele seiner Eintracht in guter Erinnerung geblieben sind: „Das alles hat mich sozusagen ’gebrandet‘.“
Die Idee zum Buch ist dem Autorenduo mit Damir Vrancics Aufstiegstor in Ingolstadt gekommen. Dass sie die Saison in der 1. Liga letztlich verfolgt haben, ist schön. Das in 2000er-Auflage veröffentlichte Werk mit einem Vorwort der Eintracht-Torhüter-Legende Bernd Franke – erhältlich im gut sortierten Buchhandel in der Region – liest sich trotz einiger mantrenhafter Wiederholungen (Fingernägelkauen, früh im Block, Whatsapp-Kanal und so weiter) gut weg, und verleitet den Leser immer wieder zum Abgleich mit dem eigenen Erleben.
Pro verkauftem Exemplar gehen 1,50 Euro an Lernort Stadion, ein von der Robert-Bosch-Stiftung ins Leben gerufenes Projekt. Vorgestellt wird das Buch am 21. September (18.30 Uhr) mit einer ersten Lesung (weitere könnten folgen) in der Eintracht-Fankneipe „Wahre Liebe“.
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