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Den Feind das Fürchten lehren

Erste Exponate für die Landesausstellung „Roms vergessener Feldzug“ eingetroffen.

Von André Pause, 07.08.2013

Braunschweig. Ortstermin im Braunschweigischen Landesmuseums: Vorsichtig hebt Restaurator Sven Spantikow einen grünen Helm von der Tischplatte. Der Kopfschutz ist eines der Exponate, die die Ausstellung „Roms vergessener Feldzug“ – zu sehen ab
1. September – ergänzen sollen.

„Ich habe ein bisschen Angst, dass etwas passiert“, sagt er leise, angesichts der Journalistenschar, die sich in den Katakomben des Museums versammelt haben, um die ersten Exponate der insgesamt mehr als 80 Leihgeber aus zehn europäischen Ländern in Augenschein zu nehmen. Diese Stücke ergänzen die Ausstellung „Roms vergessener Feldzug. Die Schlacht am Harzhorn“, die ab September zu sehen sein wird.
Aus dem Musée d’Art Classique de Mougins ist der besagte römische Reiterhelm aus Bronze nach Braunschweig gelangt. Er lässt das Herz von Landesmuseumsleiterin Dr. Heike Pöppelmann ad hoc höherschlagen: „Ich kann noch gar nicht fassen, dass der Helm im Magazin liegt. Es gibt überhaupt nur zwei davon, und den Bessererhaltenen haben wir nun hier.“
Als „pseudoattisch, griechisch inspiriert“ ordnet ihn die Archäologin ein. Besonderes Merkmal: die Stirnplatte. Die Spitze des schlangenverzierten Helms zeigt einen Adler, der als Symboltier des höchsten römischen Gottes Jupiter ein beliebtes Motiv war.
Kriegsgott Mars und Minerva, Göttin der Weisheit und der taktischen Kriegsführung, komplettieren das Bild der drei wichtigsten Staatsgötter. Den hinteren Teil des Kavalleriehelms ziert schließlich ein Medusenhaupt, dessen Anblick einst den Feind zu Stein erstarren lassen sollte. Umstritten sei in der Wissenschaft allerdings bis heute, ob die aufwendig gearbeiteten Helme eher als Schmuckstück bei Paraden und Reiterspielen zum Einsatz kamen, oder ob sie auch im Kampf getragen wurden, so Pöppelmann.
Ein Beleg für die Verwendung von Masken- und Gesichtshelmen im Kampf könnte hingegen der Fund einer Gesichtsmaske am Schauplatz der Varusschlacht sein. In der Landesausstellung wird auch ein solches Exponat zu sehen sein. Aus dem Römerkastell Saalburg, mit fast 50 Objekten der quantitativ größte Leihgeber, ist eine Gesichtsmaske eingetroffen, von deren furchteinflößender Wirkung sich der Besucher der mit Spannung erwarteten Ausstellung überzeugen kann. „Sie ist so bräunlich, weil sie im Feuer gelegen hat“, beschreibt Pöppelmann, und verweist auf die vom Mittelscheitel seitlich herabfallenden Locken – eine Referenz an Alexander den Großen. Darüber hinaus sind im Magazin Fragmente eines Kettenhemdes und Lamellen eines Schuppenpanzers aufgebahrt.
Die umfangreiche Fundsituation des 2008 entdeckten germanisch-römischen Schlachtfeldes am sogenannten Harzhorn (knapp 3000 Funde) sowie die Objekte der Leihgeber bilden die Grundlage einer authentischen wie atmosphärisch dichten Geschichtsinszenierung. Insgesamt 800 Exponate, zeitlich allesamt aus der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts nach Christus, sollen die Geschichte des römischen Soldatenkaisers Maximinus Thrax, der sein riesiges Heer in den Jahren 235/236 nach Christus auf einen Rachefeldzug tief in germanisches Siedlungsgebiet führte, lebendig machen und den Besucher als Forscher ansprechen.
Weitere Informationen zur Ausstellung „Roms vergessener Feldzug. Die Schlacht am Harzhorn“ erhalten Sie unter
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