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Das Spiel mit der Wirklichkeit

Malte Sartorius und Dr. Cecilie Hollberg bei der Ausstellungsvorbesichtigung. Sartorius ist ein Meister der Täuschung, die „Pinnwand“ im Hintergrund ist ein komplettes Gemälde, selbst die Stecknadeln sind gezeichnet. Foto: Sylvia Herden
 
Drei Kalebassen auf Korbteller, 2012. Foto: Gerd Druwe/oh

80 Jahre Malte Sartorius, 50 Jahre HBK – Zeit für eine Ausstellung mit Werken des Künstlers.

Von Marion Korth, 10.11.2013.

Braunschweig. Da spielt einer ein Spiel mit uns: Das Abbild der Wirklichkeit ist gar keins: „Das ist alles gelogen.“ Malte Sartorius ist ein bekannter Künstler und begnadeter Zeichner. Was aussieht wie ein Foto, ist ein fiktives Arrangement, das es niemals gegeben hat – nur in seinem Kopf und deshalb auch auf Papier, seit gestern zu sehen im Städtischen Museum.

Sartorius hat am Freitag 80. Geburtstag gefeiert, gleichzeitig besteht die Hochschule für Bildende Künste, an der er einer der ersten Professoren gewesen ist, seit 50 Jahren. Das Doppeljubiläum hat Museumsdirektorin Dr. Cecilie Hollberg zum Anlass genommen für eine Ausstellung, die auf das Werk des Künstlers zurückschaut, aber auch unter dem Titel „Altea“ Aktuelles zeigt. Altea ist ein Ort in Spanien, an den es Sartorius als Stipendiat 1959/60 mehr aus Zufall verschlug. Seit 1965 hat er dort ein Atelier, wo er jedes Jahr drei Monate verbringt. „Ich kenne kaum etwas von Spanien, wenn ich dort bin, gehe ich in mein Atelier.“ Waren es zunächst die Eindrücke aus Deutschland, die er dort verarbeitete, so ist ihm heute Altea der Ort der Inspiration. Landschaften, Architektur, Stillleben, das sind seine Themen. Sartorius’ Werk ist weitgehend menschenleer, die Figur ist nicht seins. Verlassene Ecken, bröckelndes Mauerwerk, vergessene Gegenstände – Sartorius spricht von „Müll“ und „Verfall“ – ziehen ihn dagegen magisch an. Eine Ölkanne, ein Korb, ein Stein, vor allem aber Kalebassen, Granatäpfel und jedes Jahr aufs Neue die Quitten seines Nachbars Toni zeichnet er immer und immer wieder. Langweilig wird ihm das nicht. Dem Betrachter sowieso nicht, ist es doch so, als würde der das Sehen neu lernen, der Faszination der Form und des feinen Strichs kann er sich jedenfalls nicht entziehen. Sartorius muss niemandem mehr etwas beweisen, und das will er wohl auch nicht, verweist stattdessen auf den bedeutenden italienischen Maler und Grafiker Giorgio Morandi, „der sein ganzes Leben ein paar Flaschen immer wieder neu arrangiert und gemalt hat“.

Die Farbstifte hat Sartorius schon vor Längerem zur Seite gelegt, Bleistift und Radierung reichen ihm als künstlerische Ausdrucksmittel. Schwarz und Weiß sind seine Farben. Jeden Tag zieht es ihn in sein 200 Quadratmeter großes Atelier im Artmax. „Wenn ich da einen Tisch zugekramt habe, dann wechsle ich an einen anderen“, sagt er. Wenn es nach ihm geht, dann kann es ewig so weitergehen: „Ein Künstler kann nicht aufhören.“

Tipp: Malte Sartorius zeichnet zwar schwarzweiß, aber seine Schilderungen sind so farbenfroh und humorvoll, dass es eine Freude ist, ihm zuzuhören. An zwei Tagen bietet er eine persönliche Führung durch die Ausstellung an (siehe Infokasten). Außerdem hat er drei kleine Vorzugsblätter erstellt. Wer einen „echten Sartorius“ erwerben möchte, kann sich in eine Liste eintragen, die Radierungen werden anschließend in entsprechender Anzahl gedruckt.

Informationen



Malte Sartorius, am 8. November 1933 in Waldlinden in Ostpreußen geboren, studierte bei dem Grafikkünstler Karl Rössing an der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste. 1959/60 kam Sartorius durch ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes erstmals nach Altea (Spanien). An die HBK Braunschweig wurde Sartorius in der Gründungsphase der Hochschule 1962 berufen, er wurde 1965 Professor und übernahm 1966 die neu eingerichtete Klasse für Freie Grafik. In den Jahren 2004 bis 2007 schuf Sartorius auf mehreren Reisen nach Venedig zahlreiche Stadtansichten, die in Teilen in einer Kabinettausstellung des Herzog Anton Ulrich-Museums in der Burg Dankwarderode zeitgleich mit der Ausstellung im Städtischen Museum gezeigt werden.

Die Ausstellung „Altea“ im Städtischen Museum, Haus am Löwenwall und Galeriegebäude, ist vom 9. November bis zum 12. Januar 2014 zu sehen. Der Eintritt ist frei.
Führungen: 1. Dezember und 5. Januar (Sonntag) jeweils um 14.30 Uhr.
12. und 26. November, 10. Dezember und 7. Januar (Dienstag) jeweils um 19 Uhr.
Kosten: 1,50 Euro (ermäßigt 0,50 Euro) pro Person. Malte Sartorius führt selbst sonntags am 17. November und am 15. Dezember um 14.30 Uhr durch die Ausstellung.
Kreativ-Werkstatt für Familien: Rundgang und Gestalten für Kinder ab acht Jahren am Sonntag (24. November) von 14 bis 16.30 Uhr (fünf Euro je Person).
Öffnungszeiten: Dienstag 10 bis 21 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 10 bis 17 Uhr.
Telefon: 4 70 45 21.
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