Anzeige

Das Spiel mit der Sichtbarkeit von Dingen

Andrea Faciu „Free Evolution Crash_Reverb“. Foto: Pause

„Der Geist im Vakuum“: Abschlussausstellung der Braunschweig-Projects-Stipendiaten 2012–2013 bis zum 1. Dezember in den 267 Quartieren.

Von André Pause, 27.10.2013.

Braunschweig. „Der Geist im Vakuum“ ist die Abschlussausstellung der Braunschweig-Projects-Stipendiaten 2012–2013 betitelt, die bis zum 1. Dezember in den 267 Quartieren an der Hamburger Straße zu sehen ist.

Damit gibt es das zumindest vorerst letzte Mal Kunst an diesem Ort, den die Stadt vor drei Jahren aus Mitteln des Konjunkturprogramms II hergerichtet und der Hochschule für Bildende Künste (HBK) – eigentlich auf Fünfjahressicht – mietfrei zur Verfügung gestellt hatte.
Mit Blick auf ihr finanzielles Defizit gibt die HBK das Objekt bekanntlich dran. Und so präsentieren zum Kehraus – parallel zu Sven Johnes Ausstellung „Wege aus der Krise“ vom Museum für Photographie in den Nachbarräumen – fünf Stipendiaten für den Bereich Bildende Kunst und drei Stipendiaten für den Bereich Klangkunst ihre Arbeiten, die sie zum Teil im Rahmen ihres Aufenthaltes in Braunschweig entwickelt haben.

Laure Cottin-Stefanelli (Paris), Andrea Faciu (Bukarest/ München), Ivan Grubanov (Crepaja), Miks Mitrevics (Riga), Sunette Viljoen (Kapstadt), Kabir Carter (New York), Nuno da Luz (Lissabon/ Berlin), Darsha Hewitt (Montreal) zählen zur ausgewählten Künstlerriege der zweiten Auflage des Kooperationsprojekts mit dem niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur.

Entstanden sind sehr verschiedene, mehrheitlich leider nicht allzu spektakuläre Arbeiten. Hervorzuheben sind allerdings Grubanovs „From the Evil Painter“ und Facius „Free Evolution Crash_Reverb“.
Das eine ist ein vom Künstler selbst als semantisches Modell, als Netz und Beziehungsgeflecht von Konzepten bezeichnetes Werk, welches die Malerei als das demokratischste Mittel zur Abbildung sozialer Realität ausfindig macht. Die Bilder der Serie eint ihre an wissenschaftliche Kommunikationsmodelle gemahnende Struktur. Allerdings beschäftigt sich „From the Evil Painter“ weniger mit Verläufen, sondern mit der situativen (Un-)Sichtbarkeit von Dingen, oder gleich mit Realitätsverschiebung. Seine Narrationen brechen ausgehend vom zeichnerischen Ansatz die offizielle Geschichtsschreibung und Monumentalität der Ostblock-Propaganda. Realitätsverschiebungen finden sich auch in der Arbeit „Free Evolution Crash_Reverb“ – als Distanzierung von der eigenen Realität. Facius Raum-, Ton- und Videoinstallation setzt sich mit urbanen Strukturen auseinander, macht Zivilisatorisches in Zeiten der Destabilität und Umformung sichtbar. Frottagen, die ein Straßenpflaster aufnehmen, weisen nach oben ins Ungewisse, sind abstraktes Abziehbild der wirklichen Situation. Konkrete Details, wie die auf der Folie mitaufgenommenen Hydrantenverschlussplatten oder ein im Raum schwebendes Metallgerüst, erden die Installation.

Geöffnet ist die Ausstellung dienstags bis freitags von 14 bis 19 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 11 bis 18 Uhr.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.