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Das Spiel mit der Erinnerung

Premiere der Tanzproduktion „un|stet / Dating my Memory“ am Sonnabend im Kleinen Haus.

Von André Pause, 01.05.2013.

Braunschweig. Einmal um die eigene Achse, tänzerische und spielerische Suche nach dem Ursprung und dem Verlauf der Lebenslinie – und nach Wegen für das, was noch kommt. llka von Häfen und Antje Pfundtner choreographieren einen Tanz-Doppelabend im Kleinen Haus.

Premiere ist am kommenden Sonnabend (4. Mai) um 19.30 Uhr. Aus den beiden „un|stet“ und „Dating my Memory“ getauften Teilen setzt sich die Auftragsarbeit des Staatstheaters zusammen.
Der erste etwa halbstündige Part soll sich der Schnelllebigkeit, der Überforderung im Alltag des Hier und Jetzt widmen, dem „Gedanken des Hin- und Hergerissenseins aufgrund all der Möglichkeiten, die man hat“, wie Ilka von Häfen sagt. Wichtig war ihr die Stilart der Tänze zwar nicht ständig aber doch stetig zu wechseln, rhythmische Veränderungen einzufügen, alles mal fragmentarisch aufzureißen: Klassik, Michael Jackson, Hip-Hop. Neuland für sie, wie sie betont.
An jeder Gabelung des Lebens bestehe die Chance oder auch die Gefahr von Stimmungswechseln zwischen Zukunftsangst oder Glücksgefühl. Das soll sich im Stück widerspiegeln. „Da sind Momente der Ruhe und Gelassenheit, worauf dann aber auch wieder diese Zerrissenheit folgt: Wo ist die nächste Tür? Was mache ich nun? Ich fand es spannend, das emotional zu erzählen“, skizziert die stellvertretende Tanzdirektorin die Verdichtung des Themas durch das Switchen der Stile.
So gebe es große Gruppensequenzen aber auch solistische. „Die Längen sind unterschiedlich, reichen auch ineinander. Es gibt Solos, die sind eine Minute, und es gibt Abschnitte, die sich über sechs Minuten entwickeln, auch musikalisch ineinander laufen“, so von Häfen.
Die beiden Tanzstücke täten dies übrigens nur sehr bedingt. „Beide Stücke arbeiten mit Erinnerungen. Bei mir eher vorwärtsgewandt, Antje erinnert sich rückwärts. Wir spielen mit dem, was war, und was kommen wird.“ Thematisch reiche man sich zwar gewissermaßen die Hand. Aber sonst ... In Antje Pfundtners etwa 40 Minuten langem „Dating my Memory“ geht es um Erinnerungen, um Identität. „Der dramaturgische Verlauf ist, dass am Anfang Erinnerungen aus dem Autobiografischen produziert und einer Figur gewidmet werden. Im zweiten Teil geht es um die Fragestellung, warum wir Erinnerungen produzieren. Und im letzten Teil um die Beendigung dieses Prozesses“, erklärt die Choreographin, die mit der aktuellen Arbeit keinem expliziten literarischen Erzählstrang folgt. Vielmehr wollte sie das Thema Erinnerungen noch mal anders, mit mehr biografischem Backround, angehen.
„Wir haben viel damit gearbeitet, dem anderen und seinen Erinnerungen zu nutzen, ihm die eigenen Erinnerungen zu widmen oder den anderen zu ge- und missbrauchen für die Wiederherstellung der eigenen Erinnerung“, schildert Pfundtner, und ergänzt: „Das war mit der Gruppe ganz toll, weil die natürlich eine gemeinsame Geschichte haben, was manipulierende Eingriffe ermöglicht, beispielsweise indem man die fremde Biografie zur eigenen macht.“
Die Choreographin selbst würde ihre Stücke aufgrund ihrer Komposition, wie Sprache oder der Umgang mit Requisiten komponiert sind, dem Tanztheater zuzuschreiben. Die Tänzer der Kompanie des Staatstheaters ließ sie mehrfach wählen, ob sie eine Aufgabe sprachlich, tänzerisch oder durch Objekte lösen möchten. „Sie haben oft die Sprache gewählt, von daher hat das an meine Arbeitsweise ganz gut angedockt“, so Pfundtner.
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