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„Das Schloss im Schloss"

Neues Museum wird am Sonnabend eröffnet

. Von Marion Korth, 06.04.2011

Braunschweig. Nicht überall, wo „Schlossmuseum“ dransteht, ist auch Schlossmuseum drin. Das ändert sich jetzt: Am Sonnabend wird das neue Museum eröffnet. Gestern war die Vorbesichtigung.

„Es erfüllt mich mit Stolz, Dankbarkeit und Freude, dass das Innere des Schlosses jetzt mit der Fassade übereinstimmt“, sagte Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann. „Wir haben jetzt wirklich das Schloss im Schloss“. Am Anfang sei tatsächlich eine Schlossfassade mit Kaufhaus geplant gewesen. „Das passte wirklich nicht“, sagte Hoffmann. Die erste Idee sei deshalb gewesen, die Kultureinrichtungen der Stadt ins Schloss umziehen zu lassen. Er dankte vor allem der Richard-Borek-Stiftung, dass es nun gelungen ist, auch die zweite Idee, das Schloss im Schloss erlebbar zu machen, umgesetzt werden konnte. Auf 700 Quadratmetern können Besucher in die Geschichte eintauchen, aber auch etwas von der einstigen Pracht der Räume sehen.
Am Anfang gab es nur ein paar Fotografien der Räume im ehemaligen Schloss. Akribische Detektivarbeit war notwendig, bis die Rekonstruktion der sieben Säle auf der Nordseite des rekonstruierten Gebäudes bis zum letzten Faden an der Goldkordel im Detail ausgearbeitet werden konnte. Zunächst standen fast nur Fragen im leeren Raum: „Wie gehen wir mit den 700 Quadratmetern um? Gibt es noch Möbel? Wo sind sie und in welchem Zustand?“. Kulturdezernentin Dr. Anja Hesse erinnerte sich noch an andere bange Fragen, nicht zuletzt die nach der Finanzierung und später danach, welche Handwerker Stuckdecken vergolden oder Wände mit Seidenstoff bespannen können? Die Kontakte der Innenarchitektin Marina von Jacobs, die auch das Mannheimer Schlossmuseum gestaltet hat, halfen hier weiter. Ein wirklicher „Fahndungserfolg“ gelang dem Architekten York Stuhlemmer: Die Recherchen nach der Seidentapete, die einst den Thronsaal zierte, führte zu einer Manufaktur nach Lyon, in der noch das originale Muster erhalten war. Nach dieser Vorlage wurde der neue Stoff hergestellt. Aus den „Resten“ wurden Seidenkissen genäht, die es im Museumsshop zu kaufen gibt – ein bisschen höfische Pracht für zu Hause.
Vieles aber ist durch und durch echt: Der Thronsessel, den das Braunschweigische Landesmuseum zur Verfügung stellte, Möbel fanden sich im Celler Schloss oder auch in Privatbesitz, die Gemälde hat die Richard-Borek-Stiftung unter anderem auf der Marienburg aus dem Besitz der Welfen ersteigert. „Vieles hier trägt den Originalinventarstempel des Schlosses“, sagte Erika Borek.
Mit jedem Buch, jedem Sessel wird das Bild des Schlosses lebendiger, aber auch die Anordnung der hintereinanderliegenden Säle, die sogenannte „Enfilade“, macht die einstige Raumwirkung erfahrbar.
Glanzstück ist vielleicht der Weiße Saal, in dem früher in großer Gesellschaft gespeist wurde. Auf der langen Tafel im Raum wird die wechselvolle Geschichte des von Carl Theodor Ottmer gebauten und 1960 abgerissenen Schlosses „angerichtet“. Eingelassene Bildschirme servieren das historische Menü, dokumentieren auch tiefe Einschnitte, wie die Zeit, als das Schloss den Nazis als Junkerschule diente.
Die Eröffnung des Schlossmuseums markiert für Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann, den Punkt, an dem „der Wiederaufbau des rekonstruierten Welfenschlosses komplett ist“.
• Öffnungszeiten des Schlossmuseums (ab 12. April): Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, montags geschlossen
• Preise: Erwachsene zwei Euro einschließlich Audioguide-Führung, Kinder bis 15 Jahre frei.
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