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„Das bisschen Spaß muss sein“

Jubiläumsshow der Familie Malente sorgte für Stimmung in der Komödie am Altstadtmarkt.

Von André Pause, 04.08.2013

Braunschweig. Eine im hochsommerlichen Hitzestau bis auf die letzten Not- oder Zustellsitze besuchte Komödie am Altstadtmarkt dient als Indikator, der so zuverlässig ist wie Lackmuspapier für Basen und Säuren: Die Familie Malente ist wieder da.

„Das bisschen Spaß muss sein“ heißt ihr Programm zum zehnjährigen Bestehen, dessen Premiere vom Braunschweiger Publikum – beinahe traditionell – mit stehenden Ovationen gefeiert wurde. Hier stimmt die Chemie.
Seit nunmehr einer Dekade gelingt es Knut Vanmarcke und Dirk Voßberg alias Peter und Vico Malente, hausbackene bundesrepublikanische Revue zeitgemäß zu recyceln und die künstlerischen Zumutungen diverser Showgrößen in parodistischen Zuspitzungen zu entlarven. Dazu erst einmal: Herzlichen Glückwunsch!
Nun werden runde Geburtstage allerdings gerne zum Anlass genommen, um Rückschau zu halten. Wohl, weil dies so ist, haben Herr und Herr Malente das aktuelle Programm als eine Art „Best-of“ konzipiert, in dem via Flimmerkiste eingespielte Weiter-so-Glückwünsche von Prominenten und eigens vorgetragene, homestoryeske „wahre Geschichten“ aus der Star-Garderobe als Fugenkitt fungieren. So nimmt das Duo beispielsweise gleich zu Beginn entbehrenswert-dämliche Fragen aufs Korn („machen Sie das eigentlich hauptberuflich?“), welche ihnen im Laufe der Jahre vermutlich mehr als einmal entgegengebracht worden sind. Dies alles dehnt und lähmt den Showabend, vor allem vor der Pause, mehr als nötig. Und auch die Revue-Häppchen von Gittes „Wenn Du musikalisch bist“ über den Calypso „Matilda“ bis hin zu Tony Christies Welthit „Amarillo“ vermögen, obgleich handwerklich gewohnt hochprofessionell dargeboten, nicht gänzlich vom Eindruck der Beliebigkeit ablenken. Daran können auch die gut aufgelegten „Rosie Singers“ als dreifrauenstimmiger Gesangs-Sidekick wenig ändern.
Zur Hochform hingegen läuft die laut eigener Zuschreibung künstliche Kunstfamilie in der Komödie immer dann auf, wenn es in Richtung Persiflage geht. Da verdeutlicht Dirk Voßberg als Karl Lagerfeld im Stakkato-Duktus des Modeschöpfers den Unterschied zwischen letztem Schrei und letztem Hilfeschrei, erklärt am eignen Beispiel die Folgen der Gewichtsreduktion oder skizziert als arthrosegeplagter Bata Illic, wer im Bata-Musical welche Rolle spielen wird. Während Knut Vanmarcke als semmelblonder Howard Carpendale vom schweren Los des Comeback-Tour-Geschäfts berichtet („Heute singe isch nur für Disch“) und Andrea Berg als mitfühlende Domina-Musikerin gibt, die soeben „400 Titel auf 83 CDs“ veröffentlicht hat.
Unter dem Strich stehen am Premierenabend gut zweieinhalb Stunden sommerlich leichte Unterhaltung, die sich sicherlich ein wenig straffen ließen. Bis zum 13. September ist die Familie Malente in der Altstadtmarktkomödie zu sehen. Weitere Informationen unter: www.komoedie-am-altstadtmarkt.de .
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