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Das bewegte Leben eines Altars

Domprediger Joachim Hempel mit der Replik der Weiheplakette vor dem Marienaltar. Foto: Nielsen

Vor 825 Jahren wurde der Marienaltar im Dom geweiht – Großes Festprogramm.

Von Martina Jurk, 08.09.2013

Braunschweig. Er ist das geistliche Zentrum des Doms und gehört zu den international bedeutsamen Kunstschätzen der Romanik – der Marienaltar. Vor 825 Jahren wurde er geweiht. Der Dom würdigt das Jubiläum mit einem Festprogramm.

Grund für die Feierlichkeiten ist aber nicht nur das Datum und das damit verbundene Jubiläum. Es sind Geschichte und Bedeutung des Altars von der Weihe durch Bischof Adelog von Hildesheim am 8. September 1188 bis in unsere heutige Zeit. Darauf geht Domprediger Joachim Hempel im Festgottesdienst heute um 10 Uhr ein. Er und Dompfarrer Christian Kohn gehen der Frage nach, wie evangelische Christen mit den Altären aus katholischer Zeit umgehen.
Der Marienaltar hat ein bewegtes Leben hinter sich. „Es ist eher selten, dass ein romanischer Tischaltar so lange überlebt hat und heute noch seinem ursprünglichen Zweck dient“, bemerkt Hempel. Er ist der Hauptaltar der Gemeinde, an ihm wird gebetet, getraut, getauft und das Abendmahl gefeiert. Auf dem Altar ruht die Heilige Schrift – ursprünglich in Form des Evangeliars von Heinrich dem Löwen.
Der Altar, 1188 gestiftet von Heinrich dem Löwen und seiner Gemahlin Mathilde, ruht auf vier bronzenen Ecksäulen. Eine fünfte Säule in der Mitte stützt die kiloschwere Altarplatte aus Marmor. Als der Altar erstmals am Ende des 17. Jahrhunderts im Zuge von Renovierungsarbeiten umgesetzt wurde, ist entdeckt worden, dass die Mittelsäule die Reliquien des Doms barg. Auf dem Kapitell der Säule ruht eine Bronzeplatte, in deren Mitte sich das bischöfliche Weihe-Siegel befand. Das Siegel verdeckte eine Ritzzeichnung, die lange Zeit nicht entdeckt worden war. Sie zeigt eine männliche Gestalt, die in beiden seitlich ausgestreckten Armen ein Kirchengebäude in Doppelturmanlage hält. „Es könnte Heinrich der Löwe sein, der den Dom in den Händen hält. Das wäre eine Deutung. Die Zeichnung sieht aus wie eine Skizze, die nicht fertig geworden ist“, glaubt der Domprediger. Insgesamt wurde die Mittelsäule des Altars fünfmal geöffnet: 1709, 1880, 1966, 1995 und 2000.
Auf der Bronzeplatte ist die kaiserliche Abstammung der Stifter des Altars erwähnt und das Datum 1188. „Auch das ist selten und für die Historiker ein unschätzbarer Wert“, ordnet Joachim Hempel ein.
In der dunklen Zeit von 1935 bis 1938 wurde der Dom zu einer nationalsozialistischen Weihestätte umfunktioniert. Der Marienaltar diente als Aufsatz einer monumentalen Treppenanlage zum Hohen Chor. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei nicht klar gewesen, was mit dem Dom passieren würde. Erst als das Land das Gebäude der Kirche überlies, habe es entsprechend wieder eingerichtet werden können, so Hempel. Der Marienaltar wurde umgesetzt an zentrale Stelle, wo er sich heute noch befindet. Hätte die Geschichte eine andere Entwicklung genommen, würde der Marienaltar wahrscheinlich als Museumsstück sein Dasein fristen. Mit dem Altar, dem Imervard-Kreuz, dem Siebenarmigen Leuchter und den Secco-Wandmalereien besitzt der Dom Kunstwerke von internationalem Rang.
Dem Jubiläum der Weihe ist ein Festival gewidmet, dessen Sensation die Wiederaufführung liturgischer Musik des Mittelalters, die in den Archiven des Staatsarchivs in Wolfenbüttel gefunden wurden, ist. Erstmals seit dem Jahr 1400 werden die Gesänge der Gregorianik unter der Leitung von Kantorin Elke Lindemann und Domkantor Gerd-Peter Münden von der Domsingschule aufgeführt.
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