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Dank an Mutters Eingemachtes

Stehende Ovationen für Armin Mueller-Stahl und virtuose Musiker im Staatstheater.

Von André Pause, 07.03.2012.


Braunschweig. „Es gibt Tage …“, da lohnt es, sich am Sonntagabend bei den Rakers und Müllers zu entschuldigen, die Couch noch vor dem Gewohnheitsdoppel Tagesschau-Tatort zu verlassen und sich ins Große Haus zu begeben.

Zum Beispiel für ein musikalisches Gastspiel des vor allem Schauspielers, aber auch Malers, manchmal Schriftstellers und an diesem Abend Musikers Armin Mueller-Stahl.
Gemächlich, sehr gemächlich, lassen es Mueller-Stahl und seine drei Mitmusiker Tobias Morgenstern (Akkordeon), Tom Götze (Kontrabass und Tuba) sowie Günther Fischer (Saxofon und Klavier) angehen. In schwarzgrauen Anzügen und Hüten schleichen sie beinahe auf die Bühne und entfachen, ausgehend vom Violinspiel Mueller-Stahls eine an Melancholie nicht eben arme Stimmung.
Musikalisch oszilliert das Konzert zum Album „Es gibt Tage …“ zwischen Shanty, Chanson und jazzigen Tönen. Dazu singt, spricht und spielt einer der wenigen Weltstars unter den deutschen Schauspielern seine Songs. Es geht – die Lieder sind vor rund 45 Jahren in der DDR entstanden – um Sehnsüchte hinter der Mauer, zwangsläufig um Politisches, aber auch um emotionale wie sinnliche Alltagsbeobachtungen und Erinnerungen. Die verpackt Mueller-Stahl mal als eine die Welt in Spatzen vermessende Fabel, mal in Gedichtform. Der Atem kann ins Stocken geraten, wenn der Universalkünstler im Berliner Dialekt gedankenverloren von seiner Ausreise berichtet, vom Feuer, in dessen Flammen er seine Vergangenheit verbrennt, wenn er spricht: „Da in der Wolke, da stecke ich mit drin.“ Auch wenn das Konzert nach der Pause temporeicher und Mueller-Stahl in Mani-Neumann-Manier kurzzeitig zum Teufelsgeiger wird, bleibt der Abend an sich ein bedächtiger und nachdenklicher. „Wir spielen ein bisschen gegen den fortissimogeprägten Zeitgeist“, führt der musizierende Schauspieler an, der sich – sehr sympathisch – bisweilen in die Beobachterposition zurückzieht, um den anderen Musikern Raum zu geben. Die nutzen ihn virtuos, hier und da aber auch zu ausgiebig für Solostrecken. Aber das ist nicht mehr als eine Randnotiz.
„Heut bin ich 81, meine Haare werden dünn. Danke Mutters Eingemachtem, dass ich noch am Leben bin“, reflektiert der Grandseigneur. Es gibt stehende Ovationen für zwei bewegende Stunden. Tiefe Verbeugung.
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