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Damals wie heute: Unruhige Zeiten und eine Welt im Umbruch

Die alte Bienenwachsschicht muss zunächst abgetragen werden, damit die Farben des Epitaphs von 1566 wieder strahlen können: Gute zehn Quadratzentimeter schafft Restauratorin Eleonore Lang an einem Arbeitstag. Foto: Marion Korth

Sonderausstellung im nächsten Jahr soll zeigen, wie die Reformation Land und Leute veränderte.

Von Marion Korth, 10.05.2016.

Braunschweig. Geboren wurde Martin Luther in Eisleben, seine Thesen hat er – wenn überhaupt – an der Schlosskirche Wittenberg angeschlagen und als wäre das nicht schon genug, ist er niemals in Norddeutschland gewesen. Es ist also gar nicht so einfach, das große Thema „500 Jahre Reformation“, das im nächsten Jahr museal aufgearbeitet präsentiert werden soll, auf die lokale Ebene zu ziehen. Wie es dennoch funktionieren soll, erläuterte die Direktorin des Braunschweigischen Landesmuseums Dr. Heike Pöppelmann am Montag in einem Pressegespräch.

Nicht die Person Martin Luthers, nicht die klassische Historie wird im Mittelpunkt stehen, stattdessen die Dynamik einer Idee, die anfangs die katholische Kirche reformieren sollte, letztendlich aber den Grundstein der modernen Welt legte. „Im Aufbruch. Reformation 1517 – 1617“ beleuchtet vom 7. Mai bis 19. November 2017 die 100 Jahre nach dem Thesenanschlag.

Viele Reformationen

Es gab nicht die eine, einzige Reformation, jede Stadt, jeder Landstrich erlebte sie zeitlich und inhaltlich anders. Um den Bogen in die Fläche zu schlagen, steht hinter der Sonderausstellung ein breites Bündnis: die Evangelische Akademie Abt Jerusalem in Braunschweig, die Evangelisch-lutherischen Landeskirchen Braunschweig und Hannover sowie ein Netzwerk von 50 Orten – von Goslar bis Gifhorn – die Besonderes beisteuern können.

Ausgehend von Luther, der einen barmherzigeren Gottesbegriff formulierte und den Menschen zu einem selbstbestimmteren Gottesverständnis auf Grundlage der zehn Gebote ermunterte, eröffneten sich Freiheiten und zugleich Ungewissheiten. Es sei eine Zeit des Wandels gewesen. „Die Situation ähnelt der heutigen, auch jetzt gibt es nicht die eine Lösung“, sagte Pöppelmann. Wie Menschen mit dem Wandel umgingen, wie die Reformation als politisches Kalkül von den Fürsten in Norddeutschland für deren Zwecke benutzt worden ist, aber auch, welche Rolle das gedruckte Wort in diesem Umbruch hatte, sind Fragen von Interesse.
„Wir wollen keine Heldengeschichte schreiben, sondern auch die Ambivalenz darstellen“, sagte Landesbischof Dr. Christoph Meyns. Luthers freiheitliches Denken gipfelte noch nicht in wirklicher Toleranz, Antisemitismus, der Umgang mit Minderheiten seien ebenfalls Aspekte einer selbstkritischen Betrachtung von Religion.

Drei Ausstellungsorte

Ausstellungsort wird nicht nur das Museum am Burgplatz sein, sondern als historisch authentische Orte auch das ehemalige Benediktinerkloster St. Aegidien, wo der aus Wittenberg zurückgekehrte Mönch Gottschalk Kurse ein neues Gottesbild predigte und damit den Unmut des Landesherrn erregte, oder St.-Ulrici-Brüdern, wo Johannes Bugenhagen, von Luther nach Braunschweig entsandt, eine neue Kirchenordnung mit Rat und Bürgern aushandelte.
Derzeit werden Ausstellungsstücke aus der eigenen Sammlung, aus Museen, Archiven und Kirchen im In- und Ausland zusammengetragen. Ein Zeugnis ist das bislang niemals ausgestellte Epitaph der Anna von Rautenberg von 1566, dessen zeichnerische Symbolwelt schon früh von der Durchdringung der lutherischen Lehre zeugt. Bis zur Ausstellung im nächsten Jahr ist zum Glück noch Zeit, derzeit wird es in sorgfältigster Feinarbeit gesäubert und restauriert.
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