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Da wackeln die Bodenbretter

Jan Josef Liefers spielte mit seiner Band Radio Doria bei Kultur im Zelt

Von André Pause

Braunschweig. Gut sieht er aus, der Jan Josef Liefers. Und dann noch diese stilvolle Klamotte. Urbaner Schick: schwarzes Shirt mit großem V-Ausschnitt, schwarze Stretchröhrenjeans und Blundstone-Chelsea-Boots. Seine 50 Lenze soll dem Sowohl-Schauspieler-als-auch-Musiker erst mal einer anmerken!


Mit seiner Band Radio Doria (früher Jan Josef Liefers & Oblivion) rockte der Tatort-Star jetzt bei Kultur im Zelt. „Wow“, raunt da die ein oder andere der zahlreich anwesenden mittelalten Damen im dichten Gedränge vor der Bühne. Ob die wohlwollenden Bekundungen auch Liefers Optik gelten? Womöglich. In erster Linie aber hat das Publikum mit sattem Frauenüberschuss Spaß am rund zweistündigen Konzert.
Der Künstler selbst wirkt und gibt sich wie der nette Kumpel von nebenan. Sehr persönlich – manches Mal vielleicht eine Nuance zu ausführlich und pathetisch – moderiert er die Stücke des soeben veröffentlichten Albums „Die freie Stimme der Schlaflosigkeit“ an, und wird dabei mitunter sogar politisch. Die Liedtexte selbst hält der Mann dagegen auffallend schlicht: „ Wir sind Diebesgut / haben uns davon gestohlen / haben unser Leben geplündert /sind verlorene Kinder / Wir sind Diebesgut / können uns nicht wiederholen / belohnen den ehrlichen Finder“ heißt es beispielsweise in den Lyrics von „Verlorene Kinder“. Über weite Strecken erinnern die Alltagsbeobachtungen in ihrer sentimentalen Beliebigkeit an Songmaterial juveniler Barden wie Tim Bendzko und Co. Das ist massenkompatibel, absolut radiotauglich, vor allem aber auch schade. Denn man spürt, dass Jan Josef Liefers eine Menge mehr umtreibt, als das was in Strophe und Refrain gegossen davon übrig bleibt.
Immerhin: Der Teilzeit-Frontmann ist über alle Maßen charmant und tanzt mit seinen Fans schon mal Walzer. Auch die fünfköpfige Band (zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und Keyboard) baut gleich zu Beginn ordentlich Druck auf. Überhaupt gestalten die Musiker den Abend im Rahmen ihrer Möglichkeiten variabel. Während das Keyboard bei „Rückenwind“ sphärisch plockt und pocht, die Gitarren beinahe Gilmour-esk im Cleansound gespielt werden, erinnert die Instrumentierung bei „Liebe ist nicht wie du“ stark an die Münchener Freiheit. Ein Spagat, der erst mal geschafft werden möchte. Auch Reggae und Calypso haben die Herren im Repertoire. Spätestens hierzu wird geschunkelt und geklatscht, bis die Bodenbretter wackeln. Das Kultur-im-Zelt-Publikum ist komplett aus dem Häuschen.
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