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Chinesische Feste werden auch in neuer Heimat gefeiert

Yu Fang fing in Deutschland bei Null an – Nach Eingewöhnungsproblemen fühlt sie sich wohl

Von Henning Thobaben

Braunschweig. In Sichuan ist Yu Fang geboren, in der Braunschweiger Region lebt sie. Sieben Jahre ist es her, dass die Chinesin die rund 9000 Kilometer gen Westen zurücklegte. Die Reise war eine Sache von Stunden – um einiges länger dauerte es, bis sie in Deutschland wirklich richtig angekommen war.

So richtig schwierig war es für sie aber nur, als sie ein bis zwei Jahre in Braunschweig lebte. „Da kam plötzlich der Kulturschock“, erzählt Yu Fang. „Das war zu einem Zeitpunkt, als es nichts Neues und Aufregendes mehr gab. Da habe ich mich selbst verloren und gemerkt: Ich bin da, wo ich eigentlich gar nicht hingehöre.“
Dorthin, wo sie ihrer Meinung nicht hingehörte, musste aber ihr Ehemann. Der ist Deutscher, betreute über viele Jahre Projekte in China. Die Projekte endeten, das Paar kehrte dem Reich der Mitte gemeinsam den Rücken. Die beiden Söhne waren da noch klein. Ihr Ehemann machte in seinem Job weiter. Nur Yu Fang befand sich irgendwie neben der Spur.
Die heute 37-Jährige war frustriert. „In China hatte ich für namhafte Firmen gearbeitet. Hier musste ich wieder bei Null anfangen.“ Die chinesischen Abschlüsse? Sind hier nichts wert. Die durch das Germanistik-Studium in China erworbenen Sprachkenntnisse? Nichts besonderes. „Jedes Kind spricht hier besser deutsch als ich“, sagt Yu Fang beinahe akzentfrei und winkt ab.
Heute ist alles anders. Der Kulturschock ist überwunden. „Jetzt ist Deutschland mein Zuhause und meine zweite Heimat. Ich liebe dieses Land, auch wenn mir nicht alles gefällt.“ Yu Fang hat gelernt, sich durchzuboxen – in einem Land, das von ihr völlig neue Gewohnheiten abforderte. Wenn die Kollegen in ihrer Elektronikfirma sie kritisieren, sagt sie sich: „Die Deutschen gehen eben im Arbeitsleben härter miteinander um und sind direkter. Sie meinen das nicht böse.“
Auch in ihrem Privatleben hat sie sich umgestellt. In China hat jeder die Möglichkeit bis in die Nacht hinein einzukaufen. Das Leben auf der Straße pulsiert dort auch zu jener späten Stunde, wo in Deutschland nur das aus den Fenstern dringende Fernsehflimmern auf menschliche Existenz schließen lässt. Und wenn Yu Fang die deutschen Supermärkte erst mal betreten hat, dann sucht sie die chinesische Salatvielfalt in der Gemüseabteilung vergeblich. Doch inzwischen hat sie die deutschen Öffnungszeiten kennen und die deutsche Küche schätzen gelernt.
„Aber ich bin ja auch nicht von allen Deutschen eingeladen worden, in ihr Land zu kommen“, sagt sie sich in Momenten, in denen das Heimweh ihr zu schaffen macht. Sie hat sich angepasst, hat ihren Weg in der neuen Heimat längst gefunden.
Trotzdem pflegt sie den Kontakt zu ihrer alten intensiv. Einmal im Jahr gibt es ein Familientreffen – entweder reist Yu Fang nach Fernost oder die Eltern kommen nach Deutschland. Ihre Muttersprache pflegt sie mit dem Schreiben von Novellen, die sie an chinesische Zeitungen verkauft. Und dann ist da noch der „Kleine Tiger“. An der Chinesisch-Schule arbeitet Yu Fang ehrenamtlich. Am 13. September feierte die Einrichtung ihr fünfjähriges Bestehen.
Über die Schule pflegt sie regen Kontakt zu anderen Chinesen. Traditionelle Feiertage wie das Frühlings- und Mondfest werden gemeinsam verbracht. Wenn die sentimentale Stimmung wieder verflogen ist, gewinnt bei Yu Fang aber schnell wieder das Realitätsdenken die Oberhand. Vor einiger Zeit hat sie sich für eine Umschulung zur Industriefachwirtin entschieden. Die 9000 Kilometer hat sie schon lange hinter sich gebracht. Vorankommen möchte sie noch immer.
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