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Bodenständig und stimmungsvoll

Axel Bosse sorgte am Samstagabend mit siebenköpfiger Band zwei Stunden lang für Stimmung. Fotos: André Pause
 
Am Abend davor spielte die Hamburger Band Revolverheld um Sänger Johannes Strate im Raffteich.

Bosse und Revolverheld machten das Raffteichbad am Freitag und Samstag zum Konzertmekka

Von André Pause, 21.08.2016

Braunschweig. Es ist schon unglaublich, welche Strapazen junge Leute auf sich nehmen, um Konzerte mit „ihren“ Stars zu erleben. Die Open-Air-Abende des vergangenen Wochenendes auf der BraWo-Bühne im Raffteichbad beispielsweise führten so manchen Bosse- beziehungsweise Revolverheld-Fan quer durch die Republik: Bremen, Osnabrück oder Mittelhessen, geben die zumeist jungen Damen in der ersten Reihe unter anderem als Zuhause an.

Die Härtesten unter ihnen sind gleich an beiden Tagen vor Ort. „Wir haben hier im Auto geschlafen“, erzählt ein Mädels-Trio amüsiert, als sei dies das Normalste auf der Welt. „Heute haben wir dann Aki beim Joggen gesehen“, schmunzelt die eine. „Und er hat gegrüßt“, ergänzt schwärmerisch und ein bisschen triumphierend eine der anderen.

Vielleicht ist die geschilderte Fan-Nähe ein Teil des Erfolgsgeheimnisses der diesjährigen Raffteich-Künstler. Sowohl Johannes Strate und seine Revolverhelden als auch Bosse wirken, zumindest auf der Bühne, zugänglich wie die Jungens von nebenan.

Mögen sich die Acts stilistisch unterscheiden: Die Anekdoten der Frontmänner sind doch ähnlich – unterhaltsam, und auf Bodenständigkeit getrimmt. Strate plaudert von der zweckentfremdeten Preis-Statue „Bravo-Otto“, der der Band als Flaschenöffner diente, bis man sie – es musste ja so kommen – am Konzerttag auf der Liegewiese des Raffteichbades verlegt habe, Aki Bosse memoriert wiederholt Highlights unvergesslicher Abende mit Freund Chichi, an deren Ende die Umverpackung eines Braunschweiger Bieres beiden als Kopfschmuck diente. Ach ja ... Musik wurde selbstverständlich auch noch gemacht. Revolverheld spielen getreu dem Motto „Hocker ist Trumpf“ das ruhigste und wohl auch konventionellste Konzert des unter dem Siegel „MTV unplugged“ stehenden, insgesamt dreitägigen Open-Air-Reigens im Braunschweiger Westen.

Bosse dagegen gibt, musikalisch von einer siebenköpfigen Band befeuert, knapp zwei Stunden Vollgas. Kaum zu bändigen der Mann: Hüpft wie ein Flummi und rennt dabei auf der Bühne ohne Unterlass hin und her. Sein 6000er-Publikum (restlos ausverkauftes Gelände) geht gut und textsicher mit, schunkelt im Dreivierteltakt zu „Vier Leben“ oder lauscht andächtig dem symphonischen, reflexiven und hochemotionalen „Ahoi Ade“.

Der Rest ist „Drei Millionen“, dazu ein Bad in der Menge, „Schönste Zeit“, „Steine“ oder „Frankfurt Oder“. „Kommt jetzt, ich brauche alle Hände. Alle Mann ein Tanz!“, animiert der schweißnasse Sänger gegen 22.30 Uhr ein letztes Mal. Wirken solcherlei Aufforderungen bei snobistisch veranlagten Musikern schnell peinlich, schnellen auf Bosses Kommando selbst im abgelegenen Hotdog-Stand die Pranken der Belegschaft in die Höhe. Der bodenständige Sympathicus scheint endgültig auf dem Weg zum Volkshelden zu sein – zumindest für sein Braunschweiger Publikum.

Für die gesamte Open-Air-Reihe zieht Veranstalter Undercover in diesem Jahr ein rundum positives Fazit. Einen neuen Rekord gab es bei den Besucherzahlen. Mehr als 17 000 Fans kamen zu den drei Konzerten. „Dieses Jahr hat einfach alles gepasst: Die Künstler, das Publikum und – nicht zu vernachlässigen – das Wetter“, bilanzierte Projektleiter Tobias Menskes.
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