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Bildgeschichten aus Beirut

Nikolaus Geyer, aus der Serie „Weder Freund noch Feind – Geschichten aus Beirut“, 1997/98. Foto: Museum für Photographie

Photomuseum zeigt Arbeiten von Nikolaus Geyer in der Ausstellungshalle an der Hamburger Straße

Von André Pause, 10.05.2016.

Braunschweig. „Es hätte in diesem Fall keinen Sinn gemacht, einzelne Bilder auszustellen, diese Arbeit muss man komplett zeigen“, sagt Gisela Parak, Leiterin des Museums für Photographie. Die Werkreihe, um die es geht, heißt „Weder Freund noch Feind“. Es ist die Diplomarbeit des in Hannover geborenen, in Braunschweig aufgewachsenen und 2005 in Köln auf tragische Weise ums Leben gekommenen Fotografen Nikolaus Geyer.

88 Aufnahmen – 16 Negative waren nicht mehr vorhanden – dieser Schlüsselarbeit Geyers hat das Photomuseum rekonstruiert. Die Schau in der Ausstellungshalle in der Hamburger Straße 267 zeigt die zehn Kapitel des originalen Fotobuches „Weder Freund noch Feind – Geschichten aus Beirut“ nun als sehr lebendige und stark wirkende Übersetzung. Damit ist Geyers Werk seit mehr als zehn Jahren wieder öffentlich zugänglich und in dieser quasi lückenlosen Konzeption überhaupt das erste Mal erfahrbar.

Für diese Arbeit lebte der Fotograf 1997/98 für etwa fünf Monate in Beirut und beobachtete gravierende gesellschaftliche Veränderungen in der Hauptstadt des Libanon als Folge des Bürgerkrieges von 1975 bis 1990.
Als Ausgangs- und Endpunkt sowie als omnipräsenter roter Faden dient Geyer die Befragung hegemonialer Strukturen. Er dokumentiert die Gegensätze: Bauboom und Wohlstand auf der einen, anhaltende Armut als Nährboden für religiösen Fundamentalismus auf der anderen Seite.
Den vollständigen Artikel zur Ausstellung lesen Sie unter www.unser38.de.

In Anlehnung an Bertolt Brechts „Fragen eines lesenden Arbeiters“ nehmen sich die zehn Bildgeschichten aus Beirut der gesellschaftlichen Findung und Zusammenfindung an. Das zehnte hiernach benannte Kapitel kommt mit der Aufnahme „United Nation“ – eine diesige Luftaufnahme der Stadt am Golfe de Saint-Georges – zu einem versöhnlichen Ende. Wie die von Geyer in einem Text zur Diplomarbeit geäußerte milde Zuversicht auf einen Neuanfang Beiruts mit dem Libanonkrieg 2006 einen weiteren Rückschlag erhielt, hat der Fotograf nicht mehr erlebt.

Basierend auf der Inventarisierung des Nachlasses – 2014 übertrug Dr. Ute Geyer dem Photomuseum die Arbeiten ihres Sohnes – zeigt die Braunschweiger Ausstellung außerdem Geyers bislang unveröffentlichten Werkzyklus „Die Japanische Haut – Betrachtungen einer Oberfläche“ (1999/2000). Die Reihe zur Gegenwartskultur des Nippon-Staates bewegt sich in der Schnittmenge des bildnerischen Realismus der Dokumentarfotografie zur Inszenierung.
Abgerundet wird die Werkschau des Fotografen durch Highlights aus dem Schaffen Geyers im Genre Porträtfotografie. Neben Arbeiten für die Rubrik „Ich habe einen Traum“ in der Wochenzeitung Die Zeit sind auch frühe Aufnahmen der Braunschweiger Band Jazzkantine zu sehen.

Die Ausstellung Nikolaus Geyer – Weder Freund noch Feind ist bis zum 12. Juni in der Hamburger Straße zu sehen. Geöffnet ist sie donnerstags bis sonntags von 15 bis 19 Uhr. Führungen finden an Sonntagen um 15 Uhr statt. Der Eintritt beträgt 2,50 Euro (ermäßigt 1 Euro).
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